Kilimandscharo: Machame-Route – Erfahrungsbericht & Tipps
- Jonas Zimmerschied

- 17. Nov. 2025
- 24 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Dez. 2025
In diesem Beitrag nehme ich Sie mit auf meine Reise zum Kilimandscharo – über die Machame-Route. Ich beschreibe die Vorbereitung inklusive Höhentraining, zeige Ihnen meine Packliste und erzähle von den Tagen am Berg: von leichten Momenten ebenso wie von Abschnitten, die Kraft gekostet haben. Fotos und kurze Notizen geben Ihnen einen unmittelbaren Eindruck.
Ich bin kein Expeditionsprofi – es handelt sich um einen persönlichen Erfahrungsbericht. Wenn Sie selbst über eine Besteigung nachdenken, finden Sie hier vielleicht hilfreiche Anregungen. Und wenn nicht, hoffe ich, dass Sie beim Lesen ein Stück mitgehen und Lust bekommen, mehr über diesen Berg und das Abenteuer zu erfahren.

Darum geht es in diesem Beitrag
Warum ich auf den Kilimandscharo wollte.

Ich suche Momente, die bleiben – Situationen, in denen ich bewusst die Komfortzone verlasse, weil ich glaube: Wachstum entsteht dort. Als mich mein Personal-Trainer-Kollege Adriano vor rund zwei Jahren fragte: „Hey Jonas, hast du Bock, mit auf den Kilimandscharo zu gehen?“, antwortete ich ohne langes Überlegen ja. Ich wollte die Herausforderung eingehen, etwas zu tun, das ich nie vergesse – ein Erlebnis, das mich fordert und berührt. Meine Freundin Melanie hat sich ebenso für diese Reise entschieden und mich begleitet. Ingsgesamt waren wir eine Gruppe von 9 Personen zwischen 30 und 51 Jahren (zwei Frauen und sieben Männer). Wir buchten über einen Reiseanbieter, der alles organisierte. Später erfuhren wir, dass für unsere neunköpfige Gruppe unglaubliche 39 Personen mit uns den Berg bestiegen – darunter ein Koch, Träger und Guides.
Rückblickend begann die Reise schon eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Start. Zunächst schien viel Zeit zu bleiben – und wenn es viel Zeit gibt, schiebt man Dinge leicht vor sich her. Irgendwann wurde es konkret: Ausrüstung besorgen, mich einlesen, mit Menschen sprechen, die schon auf dem Gipfel waren. Mit jedem Schritt wuchsen Vorfreude und Respekt. Der Kilimandscharo war für uns etwas völlig anderes, ein großes Stück Ungewissheit – genau darin lag der Reiz.
Ich habe oft gehört, dass der Kilimandscharo etwas mit einem macht. Das wollte ich selbst erleben: Spüren, was passiert, wenn es im Kopf still wird, der Atem den Takt vorgibt und man Schritt für Schritt etwas schafft, das größer wirkt als man selbst. Diese Erfahrung habe ich gesucht – und jetzt möchte ich sie mit Ihnen teilen.
Wie bereite ich mich auf die Höhe vor?
Höhentraining in Heppenheim an der Bergstraße klingt zunächst schwierig, ist mit heutiger Technik aber umsetzbar. Meine Freundin und ich wollten unsere Körper nicht erst am Berg mit der dünnen Luft überraschen. Für die Vorbereitung – und für die Arbeit mit meinen Klienten – habe ich einen Höhengenerator gekauft und ein Kopfzelt geliehen. Die Aufgabe war klar: Zeit finden, dranzubleiben, ohne mich zu überfordern. Am Ende funktionierte es, weil ich realistische Bausteine gewählt, Einheiten klug in den Tag geschoben und wir uns gegenseitig motiviert haben.
Aktives Höhentraining

Etwa 4–5 Wochen vor Abflug habe ich zweimal pro Woche auf dem Fahrradergometer in simulierter Höhe trainiert. Start bei 2.800 m, Schritt für Schritt bis 6.000 m. Die Intensität lag überwiegend in Pulszone 2 – ruhig arbeiten, kontrolliert steuern, ohne mich zu überfordern. Ziel war ein solider Reiz, den Herz, Lunge und Kopf gut verarbeiten konnten.
Passives Höhentraining
Zusätzlich gab es 1–2 Einheiten pro Woche mit Maske und Höhenluft – oft am Schreibtisch oder abends auf der Couch. Dafür habe ich mir einen Höhengenerator gekauft. Einstieg bei 4.000 m, gesteigert bis 6.500 m. Das war einer meiner Zeittricks: keine Anfahrt, kein Umziehen – arbeiten und atmen. So bekam mein Körper den Sauerstoffreiz ohne zusätzlichen Stress.
IHHT-Training
Einmal pro Woche kam IHHT dazu: 5 Minuten Höhenluft, dann 5 Minuten normale Luft – im Wechsel. Start bei 4.500 m, später bis 6.500 m. In den Normoxie-Phasen mobilisierte ich mich locker und dehnte kurz. Dieses einfache Intervall aus fordern – entlasten – fordern hielt mich wach und fokussiert.
Schlaf im Höhenzelt
Wir haben 2–3 Nächte pro Woche im Höhenzelt geschlafen – zunächst bei 2.200 m, später bis 3.700 m. Versorgt wurde das Zelt ebenfalls über den Höhengenerator. Sommerhitze und meine niedrige Atemfrequenz im Schlaf machten es nicht leicht. Manche Nächte waren unruhig und machten den nächsten Tag zäh. Deshalb haben wir hier bewusst Abstriche gemacht. Es muss nicht perfekt sein – es muss funktionieren. Gleichzeitig war es wertvoll: Ich merkte früh, dass Schlafen in der Höhe mein Thema bleibt (und mich auf der Tour tatsächlich herausgefordert hat).
Mein Fazit zur Höhenvorbereitung
Unterm Strich lief es gut. Trotz mancher schlechter Nächte im Zelt hatte ich tagsüber überraschend viel Energie – das Höhentraining machte sich auch im Alltag positiv bemerkbar. Der Zeitfaktor war real, keine Frage. Als ich das passive Höhentraining in Bürozeiten integrierte, wurde es deutlich einfacher, dranzubleiben, ohne dass der Kalender platzte. Perfekt war es nicht – sollte es auch nicht sein. Entscheidend war: Lösungen finden, die ins echte Leben passen. So brachte das Ganze Mehrwert, ohne zusätzlich zu belasten.
Braucht man Höhentraining dafür?
Vermutlich nicht. In unserer Gruppe haben es viele auch ohne spezielles Höhentraining geschafft.
Warum ich es trotzdem gemacht habe – und was es bringen kann
Mich interessiert das Thema sowohl beruflich als auch privat. Als Personal Trainer sehe ich folgende Vorteile – einfach erklärt:
Bessere Akklimatisation:
Ihr Körper gewöhnt sich an „dünnere“ Luft. Puls und Atmung wirken bei gleicher Belastung kontrollierter, das steigert die Sicherheit in der Höhe.
Effizientere Sauerstoffnutzung:
Durch wiederholte Reize lernt der Körper, den vorhandenen Sauerstoff besser zu nutzen (z. B. über Mitochondrien und Durchblutung). Praktisch heißt das: Gleiche Geschwindigkeit, weniger Luftnot.
Mehr Sauerstofftransport (rote Blutkörperchen):
Je nach Methode und Dauer kann die Bildung roter Blutkörperchen angeregt werden. Diese transportieren Sauerstoff – hilfreich bei langen Anstiegen. (Der Effekt braucht Zeit und fällt individuell aus.)
Fettverbrennung unterstützen:
Fettverbrennung braucht Sauerstoff. Wenn Ihr Körper Sauerstoff effizienter nutzt, kann er bei moderater Belastung zuverlässiger auf Fettenergie zugreifen.
Ökonomere Atmung & ruhigerer Kreislauf:
Mit der Zeit werden Atemmuster gleichmäßiger; der Puls bleibt bei gleichem Tempo stabiler. Das fühlt sich souverän an – besonders bei langen, stetigen Anstiegen.
Mentale Vorbereitung:
Sie kennen das Atemgefühl in der Höhe bereits. Das bringt Ruhe in den Kopf und erleichtert das Pacing („pole pole“).
Kurz: Höhentraining ist nicht zwingend nötig. Es kann sinnvoll sein, wenn es zu Ihnen passt und so geplant ist, dass es Ihren Alltag erleichtert – nicht verkompliziert.
Anreise nach Moshi & Schulbesuch

Der Flug war angenehm unspektakulär: Nachtflug, pünktliche Landung in Tansania, Abholung am Flughafen. Die Fahrt zum Hotel in Moshi war bereits ein kleines Abenteuer: Der Fahrer hatte es wohl eilig, und weil die Autobahn stellenweise erneuert wurde, führte die Umleitung über eine ausgewaschene Sandstraße. Unterwegs wurde unser Fahrer kurz von der Polizei herausgewunken; nach ein paar Minuten ging es zum Glück weiter. Wir waren alle gut gelaunt und aufgeregt – die ersten Eindrücke, neue Gerüche, der Blick auf Straßen und Landschaft: das Gefühl, jetzt wirklich da zu sein.

Im Hotel lief alles zügig: Check-in, Zimmer belegen, anschließend das Briefing. Wir sollten uns für den ersten Tag mindestens drei Liter Wasser organisieren, erhielten die Abfahrtszeit für den nächsten Morgen und konnten uns bei Bedarf noch Equipment leihen.

Ein besonderer Programmpunkt am Ankunftstag war der Besuch der Grundschule in Moshi. Über den Reiseveranstalter besteht dort eine dauerhafte Unterstützung, und Adriano hatte Spenden organisiert – Kleidung und Spielzeug, die wir vorbeibringen durften. Die Kinder sangen und tanzten für uns; ihre Freude war spürbar. Es war ein schöner Moment.
Für mich hat diese Begegnung die ganze Reise stark bereichert. In diesem Moment ging es nicht nur um Höhenmeter und den Gipfel, sondern auch um Begegnungen. Eine kleine Erinnerung daran, wie dankbar wir für das sein können, was wir haben – und wie zufrieden Menschen mit deutlich weniger sein können.
Danach ging’s zurück in den Expeditionsmodus: Flaschen auffüllen, Packsäcke sortieren, letzter Check fürs Gate am Morgen. Der Start stand fest – und mit ihm das gute Kribbeln vor dem ersten Schritt.
Tag 1: Vom Machame Gate zum Machame Camp

Um 9 Uhr wurden wir am Hotel abgeholt. Nach einem letzten Frühstück und der letzten warmen Dusche fuhren wir in gut einer Stunde zum Machame Gate (ca. 1.800 m). Dort registrierten wir uns und warteten. Die Formalitäten dauerten etwa zwei Stunden. Wir bekamen ein Lunchpaket: Nüsse, Toast, Apfel, Hähnchenfleisch und Kuchen. Beim Fleisch waren wir am ersten Tag noch skeptisch; später auf der Tour legte sich das.

Dann ging es los: Ein angenehmer Regenwaldpfad, stellenweise mit Passagen, die etwas mehr Aufmerksamkeit verlangten, insgesamt jedoch gut zu gehen. Ich startete in Barfußschuhen – für diesen Abschnitt absolut passend. Immer wieder zogen die Porter an uns vorbei, Gepäck auf Rücken und Kopf balancierend, in einem Tempo und mit einer Körperspannung, die uns beeindruckten.
Wie an den folgenden Tagen ging es konstant bergauf, etwa 1.100–1.200 Höhenmeter. Wir hatten Zeit für Gespräche, zum Lachen und für dieses besondere Kribbeln, wenn man spürt, dass ein Abenteuer begonnen hat. Immer wieder legten wir kurze Pausen ein. Der Dschungel war anfangs sehr dicht und wurde mit der Zeit lichter.

Am Nachmittag tauchten die ersten Zelte des Machame Camps (ca. 2.835 m) auf. Wir bezogen unser Zelt, bliesen die Isomatten auf, legten die Schlafsäcke bereit und sortierten unsere Sachen. Unerwartet angenehm: Es gab warmes Wasser zum Waschen und ein großes Essenszelt mit Tisch und Campingstühlen – mehr Komfort, als wir vermutet hatten.

Zum Abendessen gab es Kartoffeln, Nudeln, Fisch und Gemüse. Die Portionen waren großzügig – wir wurden mehr als satt. Und obwohl Fisch nach einem langen Fußmarsch bei 20–25 °C nicht unbedingt Vertrauen weckte, gab es keinerlei Magenprobleme. Danach gingen wir wieder an die frische Luft: ein Sternenhimmel mit Milchstraße, klar und wunderschön. Ein paar Meter oberhalb des Camps blieben wir stehen und sahen den schneebedeckten Gipfel im Dunkeln leuchten – ein stiller, sehr schöner Moment. Dann Zähneputzen und ab in den Schlafsack: Der erste Tag war geschafft, die Vorfreude auf das, was kommt, groß.
Tag 2: Vom Machame Camp zum Shira Camp


Wir wurden um 6:30 Uhr geweckt. Geschlafen hatten die wenigsten von uns besonders gut – teilweise wegen der Höhe und teilweise weil das Schlafen im Zelt, mit Isomatte und Schlafsack, ungewohnt waren. Trotzdem waren wir guter Dinge. Zum Frühstück gab es Eier, Pancakes, Porridge und Toast mit Erdnussbutter und Marmelade; dazu kochendes Wasser für Tee und Instantkaffee. Während wir aßen, bauten die Träger bereits die Zelte ab, füllten unsere Camelbaks mit Trinkwasser und ließen das Camp in Windeseile verschwinden.
Der Weg Richtung Shira wurde schnell schmaler und steiler. Die Bäume wurden niedriger; mehr Nadelgehölze und Büsche tauchten auf, und stellenweise waren die Stufen so hoch, dass wir große Schritte machen mussten. Es war deutlich

anstrengender als am ersten Tag. Weil viele Träger unterwegs waren, mussten wir immer wieder anhalten und zur Seite treten. Dieses Stop-and-go unterbrach den Lauf-Rhythmus und machte es spürbar schwerer, als gleichmäßig im eigenen Tritt weiterzugehen. Oberhalb der Baumgrenze folgte die Belohnung: Der weite Blick über die Wolken und der Mount Meru wie eine Insel im Weiß.

Auf etwa 3.300–3.400 Höhenmetern machten wir eine längere Pause – mitten in der Landschaft stand plötzlich ein Tisch mit roter Tischdecke und Stühlen. Es gab Popcorn und Tee, und wir waren ehrlich überrascht, was uns hier geboten wurde. Nach der Mittagspause nutzte ich zum ersten Mal die Wanderstöcke. Zunächst war es ungewohnt, dann hilfreich – besonders in den steileren Passagen.
Kurz darauf spürten Melanie und ich die Höhe zum ersten Mal deutlich. Wir waren nach der Pause noch am Umpacken, kamen etwas zu spät los und liefen zu schnell an, um die anderen einzuholen. Das brachte Melanie Übelkeit und mir sofort Kopfschmerzen ein - auszuhalten, aber demotivierend: „So viel vorbereitet, und jetzt schon bei ca. 3.500 m die ersten Symptome?" Der restliche Weg zog sich. Im Shira Camp (ca. 3.840 m) konnten wir Pause machen und auspacken, doch jede Bewegung ging auf den Kreislauf, der Kopf drückte – die Höhe war deutlich zu spüren.

Am späten Nachmittag starteten wir einen Akklimatisierungsgang: um 16:30 Uhr los, hinauf auf rund 4.000 m, danach wieder zurück. In der Nähe des Camps sahen wir Höhlen, in denen die Träger früher übernachtet haben sollen – heute ist das verboten; alle schlafen in Zelten. Mental war es eine kleine Hürde, schon den Weg anzulaufen, den wir am nächsten Tag ohnehin gehen würden. Auf dem Rückweg war die Szenerie großartig: Der Gipfel des Kilimandscharo leuchtete in der Abendsonne, während wir schon im Schatten waren, und über dem Camp lag ein eindrucksvoller Sonnenuntergang, der den Meru und das Wolkenmeer in warmes Licht tauchte.

Gegen 18:45 Uhr waren wir zurück im Camp und konnten den Sonnenuntergang genießen.
Zum Abendessen gab es Rindfleisch mit Gemüse und Spaghetti. Nach dem Essen wurde vom Guide erstmals unsere Sauerstoffsättigung gemessen: Alle lagen zwischen 85 und 95 %, was für die Höhe in Ordnung war. Die Sauerstoffsättigung sowie der Puls wurden jeden Abend von dem Guide gemessen. Als ich mich später hinlegte, kehrten die Kopfschmerzen kräftig zurück. Ich nahm eine Ibu – im Alltag mache ich das nie –, aber hier half sie und war nötig; ohne Schlaf hätten sich die Chancen, den Gipfel zu erreichen, deutlich reduziert.
Tag 3: Vom Shira Camp über den Lava Tower zum Barranco Camp


Um 6 Uhr wurden wir geweckt. In der Nacht hatte es laut Guide −4 bis −5 °C – das war spürbar, aber gut auszuhalten. Ich hatte nicht perfekt geschlafen, fühlte mich aber erstaunlich gut. Beim Packen – nach längerem Hocken und anschließendem zu schnellem Aufstehen – meldete sich der Kreislauf, sowohl bei Melanie als auch bei mir, doch insgesamt war es deutlich besser als am Vortag. Medikamente gegen die Höhenkrankheit wollten Melanie und ich vorerst nicht nehmen, obwohl wir am Tag zu vor mit Übelkeit (Melanie) und Kopfschmerzen (ich) zu kämpfen hatten. Stattdessen nahmen wir uns vor, mehr zu trinken und konsequent auf die Atmung zu achten: im Rhythmus, etwas tiefer und einen Tick schneller als gewöhnlich. Nach dem Frühstück wurden die Trinkblasen gefüllt, und um 7:30 Uhr brachen wir auf.

Der Weg hinauf zum Lava Tower wurde karger und felsiger – eine Steinwüste, die mit jedem Höhenmeter größer wirkte. Ab heute war ich in Wanderschuhen unterwegs und nutzte die Stöcke dauerhaft. „Pole pole“, wie die Einheimischen sagen – was so viel wie langsam bedeutet –, ergab sich fast von selbst: Laufen und Atmen waren das Einzige, woran ich die meiste Zeit dachte. Es war erstaunlich meditativ. Es gab immer wieder Momente, in denen ich „aufschreckte“ und merkte, dass ich an nichts gedacht hatte – das kommt bei mir im Alltag kaum vor. Der Weg war in diesem Abschnitt deutlich breiter; wir mussten weniger auf die Porter achten und konnten uns so stärker auf das Gehen konzentrieren.

Das Mittagessen gab es unterhalb des Lava Tower auf etwa 4.450 m: ein Gemüseeintopf, der gut schmeckte. Danach ging alles relativ schnell – der Guide wollte weiter: zusammenpacken, noch einmal zur Toilette; die meisten waren schon wieder voraus, ich hing kurz hinterher. Dieser kleine Zeitdruck und die schnelleren Bewegungen reichten, damit sich erneut Kopfschmerzen meldeten – nicht dramatisch, aber spürbar. Wir gingen kurz hinauf zum Lava Tower für ein paar Fotos, dann begann der Abstieg ins Barranco-Tal. Aus der steinigen Weite wurde eine Schlucht mit Bachlauf, feucht, grün und von Wolken durchzogen – wie eine andere Welt. Unten im Barranco Camp (knapp 4.000 m) waren die Kopfschmerzen wieder weg. Es war anfangs sehr kalt, die Wolken standen im Tal, der Wind zog durch das Lager, und das warme Wasser zum Waschen kühlte im Nu ab – trotzdem tat es gut, den Staub des Tages loszuwerden.

Wir setzten uns später auf einen Felsen und schauten ins Tal, das wie ein Wolkenmeer unter uns lag. Wir nutzten die Stille um unserer Eindrücke in einem Buch als Erinnerung festzuhalten. Hinter dem Camp ragte die Steilflanke des Kilimandscharos, vor uns die Barranco-Wall. Aus der Ferne wirkte sie sehr steil, fast wie ein Klettersteig. Mir war klar: Das sind „nur“ rund 250 Höhenmeter – aber der Eindruck ist ein anderer, wenn man müde davor steht. Es war ein beeindruckender Ort: die Stimmung im Camp, das Licht am Abend, die Stille zwischen zwei Windböen.
Später, als die Sonne weg war, zeigte sich wieder ein brillanter Sternenhimmel, und oben am Berg leuchtete der Schnee im Dunkeln. Ich war dankbar für diesen Tag. Die Zuversicht war zurück, die Motivation groß – vor allem, weil ich gemerkt habe, dass Trinken, Atmung und Tempo wirklich einen Unterschied machen. Am nächsten Tag wartete die Barranco-Wall, die "Todeswand", auf uns.
Tag 4: Von der Barranco-Wall nach Karanga


Die Nacht im Barranco Camp war in Ordnung, auch wenn wir oft wach waren. Am Morgen war es bitterkalt, die Finger steif, der Atem sichtbar – und trotzdem war die Stimmung gut. Beim Blick aus dem Zelt sahen wir die ersten Lichter der Stirnlampen an der Wand aufblinken – beeindruckend, und wir waren alle etwas aufgeregt.
Aus der Nähe wirkte die Wand weniger furchteinflößend als aus der Ferne. Es ging im Zickzack nach oben, mit kleinen Kletterpassagen: Hände an den Fels, drei Kontaktpunkte, dann der nächste Schritt. Hier war Konzentration gefragt, Angst kam nicht auf. Selbst zwei aus unserer Gruppe, die mit Höhe nicht so warm werden, kamen ohne Probleme nach oben. Wir machten immer

wieder kurze Pausen und nahmen uns Zeit zum Atmen, Trinken und Ausruhen. Nach rund 250 Höhenmetern standen wir oben – Wolken unter uns, der Gipfel über uns. Dieser Blick war Wahnsinn; auf Fotos wirkte es später, als würden wir im Wolkenmeer schweben.
Danach zog sich der Weg durch die alpine Steinwüste. Es war trocken, staubig, der Gipfel ständig im Blick – jedes Mal aufs Neue ein schöner Anblick. Als das Karanga Camp am Horizont auftauchte, freuten wir uns zu früh: Dazwischen lag die Karanga-Schlucht. Erst ging es sehr steil hinunter, dann genauso steil wieder hinauf – die Sonne stand hoch, die Luft war staubig, und wir spürten jeden Schritt. Oben im Camp waren wir erschöpft, aber froh, es bis hierher geschafft zu haben. Das Lager selbst ist kein Postkartenmotiv: Steinwüste, klare Kanten, wenig Farbe. Die Lage, wie ein Balkon zwischen Gipfel und Tal, hat jedoch ihren eigenen Reiz.

Der Rest des Tages war ein Wechselbad der Temperaturen: In der Sonne wurde es im Zelt in wenigen Minuten heiß; sobald Wolken aufzogen, war es sofort frisch. Wir aßen, ruhten uns kurz aus und gingen am Nachmittag noch einmal zur Akklimatisierung los – hinauf bis etwa 4.300 m und wieder zurück. Der Weg war leicht, kaum jemand war unterwegs, und wir konnten diese seltene Stille genießen: kein Motor, kein Summen, nur Wind, der kommt und geht. Das tat uns gut; wir fühlten uns bereit, motiviert und zuversichtlich, dass der Aufstieg morgen bzw. übermorgen klappt.

Abends war die Sauerstoffsättigung wieder gut, trotzdem meldeten sich im Zelt kurz vor dem Schlafen wieder Kopfschmerzen. Meine niedrige Atemfrequenz in Ruhe wurde mir zum Verhängnis – zu Hause kein Thema, hier oben in der dünnen Luft jedoch herausfordernd. Kleiner Lebensretter in dieser Nacht: die Urinflasche. Klingt erstmal abschreckend, war bei −7 °C aber ein echter Gewinn, weil man nicht aus dem Zelt hinausmusste. Danach lag ich schnell wieder warm im Schlafsack, hörte den Wind und hatte das gute Gefühl: Morgen kann kommen.
Tag 5: Von Karanga zum Barafu Camp (Gipfellager)


An diesem Morgen war ich zunächst noch müde, das legte sich aber nach den ersten Minuten. Weil wir am Vortag bereits die halbe Strecke zur Akklimatisation gegangen waren, wussten wir, was kommt – und konnten es entspannt angehen. Start um 8 Uhr, Camp auf rund 4.050 m, Ziel: Barafu – das Gipfellager auf 4.673 m.
Der Pfad war über weite Strecken angenehm und schlängelte sich durch die karge Hochzone. Steinwüste, Sand und Staub prägten das Bild, und doch hatte diese Landschaft etwas Eigenes. Zwischendurch gab es einen steileren Abschnitt, an dem wir etwas kraxeln mussten, und anschließend einen kurzen Geröllanstieg.
Gegen 12 Uhr kamen wir im Barafu Camp an. Die Zelte standen auf einem Schotterbalkon aus Felsen und Geröll. Von hier – und vom gesamten Camp – bot sich ein sehr schöner Blick auf den Mawenzi, den zweithöchsten Gipfel im Kilimandscharo-Massiv.
Wir richteten uns ein: Isomatten aufpumpen, Schlafsäcke vorbereiten, Rucksäcke sortieren. Alles lief routiniert, und gleichzeitig lag dieses „Heute wird’s ernst“ in der Luft.

Eigentlich war danach Ruhe geplant. Ich legte mich hin, döste 10–20 Minuten und wachte mit heftigen Kopfschmerzen auf. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Eine Ibu brachte diesmal keine Besserung. Sobald ich zur Ruhe kam, fiel meine Atmung in ihren niedrigen Nachtrhythmus – und der Kopf meldete sich. Dazu kam die Aufregung.

Am frühen Abend besprachen wir die Höhenmedikation erneut mit einem Arzt aus der Gruppe. Drei von uns, die bis dahin nichts genommen hatten – ich auch –, entschieden sich für eine halbe Tablette Diamox, um den Atemantrieb zu unterstützen. Wir waren dem Ziel so nah und wollten die Tablette als kleine Absicherung für die Nacht und den Aufstieg nutzen: lieber eine halbe zur Vorsorge, als wenn es vielleicht schon zu spät ist. Es gab ein frühes Abendessen gegen 17 Uhr und es wurde ein letztes Mal die Sauerstoffsättigung gemessen; danach lagen wir wieder im Zelt, schichteten Kleidung, prüften Stirnlampen, Handschuhe und Snacks. Ich zog fast alles an, was ich für die Nacht vorgesehen hatte: Merino-Unterwäsche und -Longsleeve, Merino-Jogginghose unter der gefütterten Wanderhose, darüber Merino-Pullover und Fleece, die leichte Daunenjacke griffbereit. Stöcke und Wanderschuhe standen am Eingang bereit. Wir versuchten noch einmal zu schlafen – vergeblich.

Um 23 Uhr wurden wir „geweckt“ – die meisten waren ohnehin wach. Draußen biss die Kälte, der Wind strich über die Zelte, der Himmel war klar. Start um 0 Uhr, zu Beginn etwa −10 °C. Ein letzter Blick in den Rucksack, ein kurzer Check mit der Gruppe – dann ging es los.
Tag 6: Gipfeltag – Vom Barafu Camp über den Stella Point und den Uhuru Peak zum Mweka Camp


Kurz nach Mitternacht setzte sich die Kette aus Stirnlampen in Bewegung. Es wurde sofort sehr steil; die ersten 100–200 Höhenmeter waren eine endlose Rampe mit kleinen Kraxelstellen. Im Kopf sagte ich mir nur: „Atmen und Gehen“ – Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug. Jemand aus der Gruppe meinte: „Wir laufen wie die Zombies aus The Walking Dead.“ Besser hätte man es nicht beschreiben können, bei einer Schrittgeschwindigkeit von unter 1km/h. Wir unterhielten uns kaum; dafür waren wir zu konzentriert und der Weg sowie die Höhe sehr kräftezerrend.
Von Beginn an stand fest: Wir wollten als Gruppe oben ankommen. Unser Guide erklärte, dass er große Gruppen normalerweise teilt – einige sind schneller, andere langsamer. Wir entschieden uns dagegen: gemeinsam hoch, gemeinsam ankommen, gemeinsam das Unvergessliche erleben. Das bedeutete mehr kurze Stopps und etwas mehr Abstimmung, aber das war kein Thema.

Die Nacht war kalt und wurde mit der Höhe immer kälter; in der Spitze bis −17 °C, sagte der Guide. Schon nach rund 30 Minuten waren bei mehreren die Trinkschläuche eingefroren. Ich hatte eine Isolierung um den Schlauch und achtete trotzdem darauf, regelmäßig zu trinken, um das Einfrieren zu verhindern. Dennoch merkten Melanie und ich, wie unsere Schläuche nach und nach zufroren: Immer wieder kam nur Slush-Eis (leider ohne Geschmack) aus dem Trinkschlauch, das wir noch herausziehen konnten. Etwa eine Stunde vor dem Stella Point war bei mir Schluss – komplett eingefroren. Von da an half nur noch die Thermoskanne: umständlicher, aber hauptsache genug Flüssigkeit. Essen stand in dieser Nacht nicht auf dem Plan; wir gönnten uns zwei kurze Teepausen von etwa zehn Minuten – Pipi-Pause, ein paar Schlucke trinken, einmal durchatmen – und weiter.

In diesem Tunnel aus Dunkelheit kamen mir die Gedanken: Schaffen wir das? Was ist, wenn …? Mit jedem Schritt entfernte ich mich von dem, was sich sicher anfühlt – höher, kälter, dunkler. Ich ließ das kurz zu und schob es dann beiseite: zurück in den Atem, zurück in den Tritt. Meistens gelang das.

Wir liefen weiter – immer zur nächsten schwarzen Kante, die sich am Himmel abzeichnete, in der Hoffnung, dass es dann geschafft sei. Immer wieder wurden wir enttäuscht: Hinter der Kuppe ging es genauso steil weiter. Dann, nach gut fünf Stunden, kamen die erlösenden Worte: „Noch 50 Meter bis zum Stella Point.“ Völlig erschöpft erreichten wir den Stella Point (5.756 m) in völliger Finsternis. Kein Morgenlicht, nur kalter Wind – und das Wissen: Hier gilt der Berg offiziell als bestiegen. Es wurde still, dann emotional; bei vielen von uns flossen Tränen. Von hier sind es noch 30–60 Minuten am Kraterrand entlang bis zum Uhuru Peak. Wir zogen die Schichten enger und setzten uns wieder in Bewegung – erst jetzt kam die Morgenröte. Der Himmel hellte auf, die Sterne verblassten, und wir durchquerten ein Feld aus Eisspitzen, knie- bis hüfthoch, sie sahen aus wie „Haifischzähne“, durch das ein schmaler Trampelpfad führte.

Dann stand es vor uns: das Schild am Uhuru Peak (5.895 m). Ich bin nicht der emotionalste Mensch – aber hier riss es mich mit. Freude, Dankbarkeit, alles auf einmal; ein überwältigender Moment. Durch die Tränen geriet der Atemrhythmus kurz durcheinander, mir wurde leicht schwindelig, der Kreislauf kippte fast. Also konzentrierte ich mich wieder auf die Atmung und fing mich. Die letzten Meter waren plötzlich leicht; der Moment, die Aussicht und die Freude trugen uns. Oben fielen wir uns in die Arme, machten Gruppenfotos und sahen über den Wolken, neben Gletschern, einen Sonnenaufgang in klarem Licht. In diesem Moment machte ich Melanie einen Heiratsantrag – und sie sagte: „Ja“. (Zum Glück – wer weiß, ob wir sonst beide vom Berg gekommen wären 😀) Wir genossen den emotionalen Moment auf dem "Dach von Afrika" mit einer atemberaubenden Aussicht.

Nach etwa 25 Minuten am Gipfel ging es zurück. Die ersten Meter bis zum Stella Point ließen sich gut gehen; dort machten wir im Tageslicht ein Foto – und stiegen weiter hinab nach Barafu. Der Schotter war sehr rutschig, der Weg verlangte Konzentration, und in der Sonne wurde es schlagartig heiß. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden waren wir wieder im Basislager. Dort hätten wir zwei Stunden schlafen können, aber an Schlaf war für mich nicht zu denken – die Kopfschmerzen waren zu stark. Also packten Melanie und ich unsere Sachen, warteten auf die anderen, frühstückten etwas, und dann ging es weiter bergab.
Der letzte Abschnitt zog sich. Bis zum Mweka Camp waren es noch rund sieben Kilometer; wir brauchten insgesamt etwa viereinhalb Stunden. Die erste Hälfte lief noch relativ angenehm, die zweite dann über einen ausgewaschenen Pfad mit hohen Stufen, der den Beinen – insbesondere den Knien – alles abverlangte. Jeder Schritt tat weh; wir waren erschöpft und müde – und zugleich froh, endlich unten zu sein. Im Camp: Zelt einräumen, Waschen, Essen. Wir saßen noch kurz zusammen und fielen dann in den Schlaf. Wir haben selten so gut in einem Zelt geschlafen.
Tag 7: Vom Mweka Camp zum Mweka Gate – Zurück in die Zivilisation


Nach einer erholsamen Nacht wachten wir auf. Auf rund 3.000 m fühlte sich die Luft wieder spürbar dichter an – der Körper „atmet auf“. Nach dem Frühstück ging es los: ca. 10 km stetig bergab, am Ende rund vier Stunden auf den Beinen. Der Weg war in Ordnung, stellenweise wurzelig und rutschig, aber gut machbar. Trotzdem zog es sich – nicht wegen des Pfads, sondern wegen der Müdigkeit nach dem Gipfeltag: erst rauf, dann runter, dann noch einmal runter. Jeder Schritt erinnerte daran, was wir hinter uns hatten.
Der Weg führte zurück in den Dschungel. Landschaftlich war es hier wieder sehr schön, ganz anders als in den letzten drei Tagen. Es war wieder alles grün, deutlich wärmer, und wir hörten die Vögel zwitschern. Unterwegs konnten wir noch Affen beobachten, die in den Baumkronen umhersprangen.

Am Mweka Gate war die Erleichterung groß. Es gab etwas zu essen und frisch gepressten Saft, und wir konnten uns zum ersten Mal seit Tagen mit fließendem Wasser die Hände waschen. Viel brachte das nicht – der Staub hatte sich längst unter der Haut festgesetzt –, aber der gröbste Dreck war weg, und das tat gut. Dann in den Bus, zurück ins Hotel: Dusche, endlich. Die ersten Minuten unter warmem, fließendem Wasser waren pures Glück. Wir machten die Sachen grob sauber, zogen ein frisches Outfit an, setzten uns zusammen, tranken ein paar Bier und ließen die Reise Revue passieren. Füße hoch, kurz schweigen, dann wieder lachen – dieses Nachglühen nach einem großen Projekt. Am Abend gingen wir relativ früh ins Bett.
Abreise Tag

Wir schliefen alle erst einmal aus und frühstückten gemeinsam. Wir hatten viel Zeit, da unser Flug erst um 17 Uhr ging.
Vormittags fuhren Melanie und ich mi zwei weiteren aus der Gruppe in die Stadt, um Souvenirs zu besorgen. Gegen 14 Uhr ging es zum Flughafen, noch einmal über die „Huppelpiste“ – egal, ich nickte trotzdem immer wieder ein; die Reise steckte noch in den Knochen. Der Kopf war voller Bilder: Dschungel, Lava Tower, Barranco Wall, das Leuchten am Gipfel, die Gesichter der Kinder in der Schule und die vielen kleinen Momente dazwischen. Und dieses leise, zufriedene Gefühl, etwas erlebt zu haben, das bleibt. Zum Abschluss konnten wir den Kilimandscharo noch einmal aus dem Flugzeug sehen, bevor wir nach Hause flogen.
Fazit: Eine Reise, die bleibt
Die Entscheidung für den Kilimandscharo habe ich relativ intuitiv und schnell aus dem Bauch heraus getroffen. Rückblickend hat sich jede Sekunde auf dem Berg gelohnt – auch wenn nicht alles schön war und nicht immer alles rund lief. Für mich war es eine Riesenerfahrung und eine große Bereicherung. Nicht nur wegen des erfolgreichen Antrags, sondern vor allem wegen der Menschen, mit denen ich dort oben war, der Momente, die ich erleben durfte, und der atemberaubenden Bilder, die ich sehen konnte. Ebenso wertvoll waren die stillen Augenblicke mit mir selbst. Ich glaube, sie haben mir persönlich sehr viel gegeben und viel in mir bewegt.
Wenn Sie ebenfalls mit dem Gedanken spielen, so eine Reise anzutreten, kann ich es nur empfehlen. Ob und wie die Vorbereitung aussehen sollte und ob Höhentraining „notwendig“ ist, kann ich nicht zu 100 % beurteilen – ich weiß schließlich nicht, wie es ohne gewesen wäre, und viele aus unserer Gruppe haben es auch ohne geschafft. Für mich war es eine Erfahrung, die sich gelohnt hat. Die gesundheitlichen Vorteile von Höhentraining sind wissenschaftlich gut belegt – für mich also in jedem Fall eine sinnvoll investierte Zeit.
Meine drei Top-Learnings für den Alltag
1) Pole, pole. Nicht immer höher, schneller, weiter – manchmal hilft es, einen Gang zurückzuschalten und bewusst langsamer zu machen.
2) Perspektivwechsel. Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten: Oben auf dem Kilimandscharo – oder schon unterwegs über den Wolken – wirkte alles Alltägliche plötzlich weit weg und klein. Probleme und Herausforderungen fühlten sich winzig an. Natürlich holt uns der Alltag wieder ein, aber auch dort hilft es, einen Schritt zurückzutreten und das Ganze aus der Distanz zu beobachten.
3) Uns geht es gut. Wir sind oft schnell dabei, uns zu beschweren. Dabei haben wir, was wir brauchen: ein Dach über dem Kopf, fließendes Wasser, Essen um die Ecke – und so vieles mehr. Auch wenn die Armut weltweit abgenommen hat, gibt es viele Länder, in denen diese für uns selbstverständlichen Dinge nicht alltäglich sind. Das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen.
Häufige Fragen zum Kilimandscharo
1) Wie hoch sind realistisch die Gipfelchancen?
Es gibt unterschiedliche Quellen; eine prospektive Kohorte (Dezember 2019–März 2020, n = 1.237) berichtete 87,9 % Gipfelerfolg am Uhuru Peak (PubMed). Unser Guide schätzte die Erfolgsquote für 7-Tage-Touren auf etwa 90 %.
2) Wie viele Tage für den Aufstieg – was erhöht meine Chancen?
Rechnen Sie idealerweise mit 7 Tagen; das erhöht die Gipfelchancen spürbar gegenüber 6 Tagen. 8 Tage sind noch akklimatisationsfreundlicher (maximale Erfolgssicherheit, mehr Puffer). 5 Tage gelten als deutlich risikoreicher für die Höhe und sind nicht zu empfehlen. Kurz: Je mehr Tage, desto höher die Chance – 7 ist der sinnvolle Standard, 8 die sichere Wahl.
3) Wie bereite ich mich am besten auf den Kilimandscharo vor?
Arbeiten Sie an Ihrer Grundlagenausdauer: Radfahren, Treppensteigen und lange Wandertouren mit Rucksack. Ergänzen Sie das mit Übungen für Fuß-, Knie- und Rumpfstabilität. Nutzen Sie am Berg und in der Vorbereitung die Nasenatmung, weil sie die Luft anfeuchtet und erwärmt, filtert, Hyperventilation reduziert, den Rhythmus beruhigt und Flüssigkeitsverlust mindert.
4) Bringt Acetazolamid (Diamox) etwas – und wann ist es sinnvoll?
Ja. Viele empfehlen Acetazolamid zur Prophylaxe bzw. zur beschleunigten Akklimatisation bei raschem Aufstieg oder AMS-Anfälligkeit; Dosierung und Einsatz gehören allerdings in ärztliche Hand. Studien zeigen zudem einen Zusammenhang mit höheren Gipfelchancen. In unserer Gruppe nahm ein Teil Diamox von Beginn an, andere erst vor dem Gipfelaufstieg. Ob es mir in der Gipfelnacht geholfen hat, kann ich nicht sicher sagen – es gab mir jedoch Sicherheit. Rückblickend hätte mir eine frühere Einnahme vermutlich den Schlaf erleichtert; es hat aber auch so funktioniert.
5) Wann ist die beste Reisezeit?
Tendenziell in den Trockenzeiten: Dezember–März sowie Juni–Oktober; die Sicht- und Wegebedingungen sind dann häufig stabiler. Kurzfristige Wetterwechsel sind dennoch möglich.
6) Wie sieht ein typischer Tag am Berg aus?
Wecken gegen 6:30 Uhr, Frühstück um 7:00 Uhr, Start meist um 8:00 Uhr; Gehzeiten liegen oft bei 4–6 Stunden plus Pausen. Abends gibt es ein kurzes Briefing und früh Schlafen, die Gipfelnacht startet typischerweise um Mitternacht.
7) Welche Kilimandscharo-Route: Machame, Lemosho, Marangu
Machame “Whiskey Route” (6–7 Tage): Sehr abwechslungsreich (Regenwald, Shira-Plateau, Barranco-Wall), gutes Akklimatisationsprofil („climb high, sleep low“), Zelte; mittel bis fordernd, gut frequentiert. Diese Route hat uns sehr gut gefallen.
Lemosho (7–8 Tage): Landschaftlich für viele am schönsten, ruhiger Start im Westen, lange Dauer mit sehr guter Akklimatisation; Zelte, moderat–fordernd.
Marangu “Coca-Cola Route” (5–6 Tage): Einzige Route mit Hütten (logistisch bequem), weniger landschaftliche Vielfalt, teils lange Etappen; wegen der kürzeren Dauer akklimatisationskritischer.
8) Gibt es Handyempfang/WLAN am Kilimandscharo – lohnt sich Datenvolumen?
Ich habe mich bewusst gegen das Buchen von Datenvolumen entschieden, da ich auf der Reise keine Ablenkung wollte. Einige aus der Gruppe hatten sich über verschiedene Anbieter Datenvolumen bestellt – der Empfang war allerdings sehr schlecht.
Ausrüstung & Packliste für den Kilimandscharo

Die größte Herausforderung beim Packen waren die Temperaurunterschiede von +30 °C beim Start bis zu −25 °C in der Gipfelnacht zu berücksichtigen. Zudem mussten wir darauf achten maximal 15 kg in der Reisetasche (für die Träger) plus 7–8 kg im Tagesrucksack inklusive Trinkwasser zu tragen. Anfangs hatten wir keine klare Vorstellung davon, was uns temperaturmäßig erwartet. Also planten wir nach dem Zwiebel-Prinzip und wählten bewusst Kleidungsstücke, die sich flexibel kombinieren ließen.
Taschen
Reisetasche; wasserdicht: Hatte ich – am Ende nicht gebraucht (kein Regen). Trotzdem beruhigend zu wissen, dass der Inhalt geschützt wäre.
Gregory Zulu Rucksack* – leicht, super bequem, gute Hüft-/Brustgurte.
Bekleidung (Schichtsystem)
Baselayer (Merino)*: 2× lange Unterhosen, 2× lange Oberteile – hautfreundlich, trocknen schnell, riechen weniger.
Zwischenschicht: 2× Merino-Zippjacken + Fleece-Pulli – variabel je nach Wind/Sonne.
Hosen: 1× Wanderhose, 1× Zip-Off-Wanderhose, Merino-Jogginghose (abends), normale Jogginghose(Reserve/Schlaf), gepolsterte Wanderhose (kalt/windig).
Meine Freundin: Skihose – warm & winddicht.
Isolationsschicht: Leichte Daunenjacke – nicht extrem dick, aber in Kombi mit Layers absolut ausreichend.
Regenjacke & Regenhose: mitgenommen, nicht gebraucht – trotzdem: lieber dabeihaben.
Kopf/Hals/Hände: Merino-Mütze, Buff/Schal*, dicke Skihandschuhe + dünne Merino-Liner (zum Kombinieren).
Unterwäsche & Merino-Socken*
Schuhe
Weindl-Wanderschuhe (isoliert): für Kälte, Geröll, Trittsicherheit (ab Tag 3 im Einsatz). Viele von uns haben beim Gipfelmarsch gefroren, warme Schuhe sind auf jeden Fall zu empfehlen!
Barfußschuhe: Für das Camp und die ersten Etappen – leicht, angenehm, „Boden-Gefühl“.
Schlafen
Daunenschlafsack (Daunenschlafsack Trek Tk III Regular - ich bewege mich nachts relativ viel, deswegen war der Schlafsack super)
Isomatte Thermarest Neoair Xtherm NXT*; für große Menschen: Therm-a-Rest Neoair Xtherm NXT MAX*→ halten sehr war; zusammengepackt sind die Isomatten sehr kein und leicht.
Aufblasbares Kissen
Trinken & Essen unterwegs
3L CamelBak/Trinkblase Hydrapak Force Ultra-Durable* + Thermoskanne* (sehr wichtig in kalten Nächten).
Snacks: Riegel, Nüsse – schnell verfügbar, gut verträglich.
Filterflasche: war leider defekt, daher haben wir die Flasche nicht genutzt. Das Trinkwasser konnten wir trotzdem trinken.
Wichtige Extras
Trekkingstöcke: für Rhythmus, Knie, Balance (ab Tag 2/3 dauerhaft genutzt).
Stirnlampe Petzl Actik Core* + Ersatzbatterien: Akku aufladbar, aber bei Bedarf auch Batteriewechsel möglich – sehr praktisch für den Aufstieg.
Sonnenbrille & Sonnencreme* (hoch), Lippenpflege, Fettcreme.
Urin-Flasche für die Nacht – vorher belächelt, später Gamechanger.
Tagebuch + Stift – für Gedanken & kleine Momente.
Hygiene & Reiseapotheke
Wasserdichte Packsäcke/Drybags (Daypack & Ordnung in der Reisetasche).
Taschentücher, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, Einmalwaschlappen (haben sich sehr bewährt).
Zahnbürste & Zahnpasta: In den Nächten, besonders vor dem Aufstieg, kann die Zahnpasta einfrieren. Mein Tipp: Die Zahnpastatabletten von Natch Labs* (mit dem Code JONAS_JZ sparst du 10 % auf deine erste Bestellung) – ich nutze sie auch im Alltag und bin sehr zufrieden damit.
Mückenspray (für die Tage in Moshi; ab einer gewissen Höhe kaum relevant).
Ibuprofen, Aktivkohle, Blasenpflaster, Pflaster/Verband, Nagelschere – zum Glück fast nichts gebraucht.
Elektronik & Papiere
Powerbank*, Ladekabel, Kopfhörer, Oropax
Visum/Reisedokumente
Mini-Spiele (nice to have)
Würfel/Kartenspiel – hatten wir dabei, am Ende nicht verwendet (Abende waren kurz: essen, kurz austauschen, schlafen).
Was ich wirklich gebraucht habe
Layers, Daunenjacke, Merino-Baselayer – dauernd im Einsatz.
Wanderschuhe (ab Tag 3) & Trekkingstöcke.
Thermoskanne, Kopflampe (Akku + Batteriemodus), Drybags, Oropax, Waschlappen, Sonnenbrille/-schutz, Urin-Flasche.
Schlafsystem (Schlafsack + Isomatte) – sehr gut und warm.
Was kaum/nicht zum Einsatz kam
Regenjacke & -hose (kein Regen),
Mückenspray (nur zu Beginn),
Filterflasche (defekt),
Spiele (keine Zeit/Bedarf).
Herzlich willkommen, ich bin Jonas Zimmerschied
— Als erfahrener Partner an Ihrer Seite
Personal Trainer Jonas Zimmerschied
Es erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit, Menschen auf ihrem Weg zu einem gesunden und ausgeglichenen Leben zu motivieren und zu unterstützen. In meiner Arbeit als Personal Trainer lege ich großen Wert auf Loyalität, Diskretion und Vertrauen sowie auf Verbindlichkeit, Pünktlichkeit, Individualität und den Erfolg meiner Klienten.
Mein Personal Training zeichnet sich durch höchste Diskretion im Umgang, erstklassige Qualität in der Durchführung und das Streben nach Wohlbefinden für Körper und Geist aus.
Dieser Beitrag enthält Werbelinks / Affiliatelinks.
Die mit * (einem Stern) gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links zu Werbepartnern.
* = Affiliate Link / Werbe-Link / Partner-Link
Wenn Sie über einen dieser Links etwas kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Es fallen für Sie keine zusätzlichen Kosten an. Sie können mit dem Klick auf die Links meine Arbeit für den Blog unterstützen.
Besten Dank dafür!





Kommentare