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Schlaf, Stress & Atmung15 Min. Lesezeit

Atmung verbessern: Warum sich Nasenatmung lohnt

„Welche Atmung ist eigentlich die richtige? Durch die Nase ein und durch den Mund aus? Oder am besten nur durch die Nase?“ Diese Frage stellen mir meine Klienten häufig. Und ich finde sie sehr wichtig.

Jonas Zimmerschied und ein Klient gehen am Bruchsee in Heppenheim, im Hintergrund die Hügel der Bergstraße

Wir atmen jeden Tag viele tausend Male. Meist läuft das nebenbei, beim Arbeiten, beim Sport und im Schlaf. Gerade deshalb fällt uns oft nicht auf, wenn wir uns ein hektisches oder anstrengendes Atemmuster angewöhnt haben. Es lohnt sich also, einmal genauer hinzuschauen.

Meine kurze Antwort lautet: Atmen Sie in Ruhe und bei leichter Bewegung möglichst durch die Nase ein und aus. Warum das sinnvoll ist und wie Sie sich daran gewöhnen können, möchte ich Ihnen in diesem Beitrag zeigen.

Ich selbst habe lange auf mein Training geachtet, aber wenig auf meine Atmung. Im Alltag atmete ich häufig durch den Mund. Beim Sport kam ich schneller außer Atem, als ich es von meiner Fitness her erwartet hätte. Nach vielen Stunden in der Schule, im Studium und am Schreibtisch waren mir diese Gewohnheiten kaum bewusst.

Als ich mich als Personal Trainer intensiver damit beschäftigte, änderte sich das. Ein wichtiger Impuls war das Buch „Breath“ von James Nestor. Ich begann, bewusster durch die Nase zu atmen. Heute ist mein Atem im Alltag und unter Belastung ruhiger und kontrollierter.

Wenn Sie direkt etwas ausprobieren möchten, finden Sie weiter unten drei einfache Tipps für den Alltag.

Welche Vorteile hat die Nasenatmung?

Nahaufnahme eines Mannes mit geschlossenen Augen und entspannt geschlossenen Lippen im Freien.KI-generiert

Die Nase ist die erste Station unserer Atemwege – und übernimmt Aufgaben, die beim direkten Einatmen durch den Mund weitgehend entfallen:

  • Sie filtert: Nasenhaare und Schleimhaut halten Partikel wie Staub und Pollen zurück.
  • Sie erwärmt und befeuchtet: Die Luft wird auf dem Weg zur Lunge aufbereitet. Gerade bei kalter oder trockener Luft ist das wertvoll. 1
  • Sie führt die Luft durch einen engeren Weg: Das kann dabei helfen, den Luftstrom ruhiger zu dosieren, statt immer wieder hastig Luft zu holen.
  • Sie hält Feuchtigkeit zurück: Beim Ausatmen über die Nase geht weniger Wasser mit der Atemluft verloren als beim Ausatmen über den Mund. 2

Hinzu kommt Stickstoffmonoxid, kurz NO. Dieser körpereigene Botenstoff entsteht unter anderem in den Nasennebenhöhlen und gelangt beim Einatmen mit der Luft in die Lunge. Dort ist er an der Regulation der Blutgefäße beteiligt und kann die Abstimmung von Belüftung und Durchblutung unterstützen. Die Nase bereitet die Luft also nicht nur auf: Sie gibt ihr auch einen Stoff mit, der in der Lunge eine wichtige Aufgabe übernimmt. 3

Auch das Thema CO₂ gehört dazu. Wer ruhiger atmen möchte, sollte verstehen, warum der Körper Kohlendioxid braucht und wie daraus der Atemreiz entsteht. In der Atemarbeit begegnet Ihnen dafür häufig der Begriff „CO₂-Toleranz“. Darauf gehe ich gleich genauer ein.

Ist Ihre Nase dauerhaft verstopft, lassen Sie die Ursache abklären. Nasenatmung soll frei möglich sein und nicht gegen einen Widerstand erzwungen werden.

Mundatmung fällt nicht immer auf

Bei Mundatmung denken viele an einen weit geöffneten Mund und deutliches Luftholen. Tatsächlich kann die Luft schon durch leicht geöffnete Lippen ein- und ausströmen. Auch wenn Sie gleichzeitig durch die Nase atmen, ist dann der Mund beteiligt.

Viele meiner Klienten sagen zunächst, dass sie ausschließlich durch die Nase atmen. In Gesprächen oder während einer konzentrierten Aufgabe fällt mir dann manchmal doch auf, dass die Mundatmung wieder stärker wird. Das ist eine Gewohnheit, die einem selbst leicht entgeht. Gerade deshalb spielen kleine Erinnerungen im Alltag eine wichtige Rolle.

CO₂ und Atmung: Warum mehr Luft nicht immer besser ist

Sauerstoff kennen wir als lebenswichtig. Kohlendioxid, also CO₂, betrachten wir eher als etwas, das möglichst schnell wieder hinausmuss. Tatsächlich gehört beides zu einem abgestimmten System.

CO₂ entsteht bei der Arbeit unserer Zellen. Über das Blut gelangt es zur Lunge und wird ausgeatmet. Gleichzeitig beeinflussen CO₂ und der Säuregrad des Blutes, wie leicht der Blutfarbstoff Hämoglobin Sauerstoff abgibt. In arbeitendem Gewebe erleichtert mehr CO₂ zusammen mit einem niedrigeren pH-Wert die Sauerstoffabgabe. Dieser Zusammenhang heißt Bohr-Effekt. 4

Ein anschauliches Beispiel ist der arbeitende Muskel: Er verbraucht Sauerstoff und bildet CO₂. Die veränderten Bedingungen erleichtern es dem Blut, Sauerstoff genau dort abzugeben, wo er gebraucht wird. CO₂ ist damit Teil der Versorgung und nicht bloß etwas, das wir loswerden müssen.

Was mit „CO₂-Toleranz“ gemeint ist

Der Impuls, wieder einzuatmen, hängt wesentlich mit CO₂ zusammen. Steigt der CO₂-Gehalt, reagieren Messfühler im Körper darauf und das Atemzentrum passt die Atmung an. Der Atemreiz meldet sich also nicht erst dann, wenn der Sauerstoff knapp wird. 5

Mit „CO₂-Toleranz“ ist in der Atemarbeit meist gemeint, wie gut jemand mit dem zunehmenden Atemreiz zurechtkommt. Das verbindet die körperliche Atemsteuerung mit unserer Wahrnehmung: Wie schnell fühlt sich Atmen dringend an, und wie reagieren wir darauf?

Diesen Umgang mit dem Atemreiz können wir üben: Atemempfindungen besser kennenlernen, gelassener darauf reagieren und nicht sofort hektisch Luft holen. In diesem praktischen Sinn lässt sich die CO₂-Toleranz trainieren. Der Begriff beschreibt dabei keine feste CO₂-Speicherkapazität des Gehirns oder des Gewebes.

Ich beginne dafür mit ruhiger Nasenatmung und leichter Bewegung. Es geht nicht darum, möglichst lange die Luft anzuhalten. Eine Möglichkeit, Veränderungen im Verlauf festzuhalten, ist der BOLT-Test, den ich weiter unten kurz vorstelle.

Was beim Hyperventilieren passiert

Hyperventilation heißt, dass wir mehr Luft durch die Lunge bewegen, als für den aktuellen Stoffwechsel nötig ist. Dabei kann zu viel CO₂ abgeatmet werden. Der CO₂-Gehalt im Blut fällt, der pH-Wert steigt, und die Durchblutung des Gehirns kann durch eine Verengung der Gefäße abnehmen. Schwindel oder Kribbeln können damit zusammenhängen. 6

Entscheidend ist die Kombination aus Atemfrequenz und Atemtiefe. Sowohl hektisches Atmen als auch wiederholtes sehr tiefes Luftholen können die Atemmenge unnötig erhöhen. 7

Über den Mund lassen sich große Luftmengen leichter bewegen. Wer dabei in Ruhe übermäßig atmet, gibt mehr CO₂ ab, als gerade sinnvoll ist. Ob das passiert, hängt von der Atemmenge ab, nicht allein davon, ob der Mund offen ist. Für mich ist eine ruhige Nasenatmung deshalb ein guter Ausgangspunkt, um die eigene Atmung bewusster wahrzunehmen und zu dosieren.

Beim Sport bleibt CO₂ für die Sauerstoffabgabe wichtig. Gleichzeitig verbrauchen die arbeitenden Muskeln mehr Sauerstoff und produzieren mehr CO₂. Deshalb muss die Atmung mit der Belastung zunehmen. Mehr CO₂ auszuatmen ist dann nötig, weil auch mehr entsteht – nicht, weil der Körper möglichst wenig davon haben sollte. 8

Üben Sie die Nasenatmung deshalb zunächst bei leichter Belastung und steigern Sie langsam. Wird der Luftbedarf sehr hoch, ist zusätzliche Mundatmung sinnvoll. Eine gute Atmung passt zur Aufgabe, statt die Luftzufuhr um jeden Preis zu begrenzen.

Brustatmung oder Bauchatmung? Diese Trennung greift zu kurz

Frau sitzt mit geschlossenen Augen auf einem blauen Sitzkissen und legt die Hände an die unteren Rippen.KI-generiert

„Atmen Sie in den Bauch, nicht in die Brust.“ Diesen Rat haben Sie vielleicht schon gehört. Mir fehlt dabei oft ein wichtiger Teil: Die Lunge sitzt im Brustkorb. Damit sie sich entfalten kann, braucht auch der Brustkorb Bewegungsfreiheit.

Unterhalb der Lunge sitzt das Zwerchfell, unser wichtigster Atemmuskel. Beim Einatmen zieht es sich zusammen und senkt sich. Der Brustraum wird größer, Luft strömt ein. Die unteren Rippen weiten sich, und im Bauchraum verändern sich Druck und Platzverhältnisse. 9

Auch der Beckenboden reagiert: Bei ruhiger Atmung gibt er beim Einatmen üblicherweise etwas nach und bewegt sich beim Ausatmen wieder nach oben. Gleichzeitig bewegt sich die Bauchwand mit. Zwerchfell, Bauchwand und Beckenboden arbeiten also zusammen. Die Bewegung des Bauches ist dabei normal; Sie müssen ihn weder bewusst herausdrücken noch dauerhaft einziehen. 10

Für die Praxis trenne ich zwei Ziele: eine bewegliche, gut unterstützte Atmung im aufrechten Körper und eine bewusst entspannende Atemübung im Liegen.

Im Alltag und Training: beweglicher Brustkorb, mitarbeitender Rumpf

Für mich gehört zu guter Atmung, dass sich der Brustkorb dreidimensional weiten kann: nach vorn, zu den Seiten und nach hinten. Der Bereich am unteren Rippenbogen und der obere Bauch dürfen sich dabei mitbewegen. Eine ruhige, gleichmäßige Brustkorbbewegung ist normale Atembewegung – keine Stressatmung.

Bei Übungen im Stehen achte ich gleichzeitig auf eine leichte, der Aufgabe angepasste Spannung im unteren Bauch. Meine Anleitung lautet: Lassen Sie den Rippen Raum, halten Sie den Rumpf ruhig und drücken Sie den Bauch nicht absichtlich nach vorn. So üben wir Atembewegung, ohne bei jedem Einatmen ins Hohlkreuz auszuweichen. Die Spannung soll Sie unterstützen; nach der Übung lassen Sie sie wieder los.

Diese Verbindung zwischen Atmung und Stabilität ist wichtig: Das Zwerchfell hilft nicht nur beim Luftholen, sondern arbeitet auch bei der Stabilisierung des Rumpfes mit. 11

Bauchspannung verändert auch den Druck auf den Beckenboden. Mehr Spannung ist deshalb nicht automatisch besser. Entscheidend ist, dass die Muskulatur bei Belastung mitarbeitet und danach wieder nachgeben kann.

Etwas anderes als ein frei beweglicher Brustkorb ist die angestrengte Atmung, bei der Sie schon in Ruhe ständig die Schultern hochziehen und den Nacken festhalten. Hier lohnt es sich, Tempo und Anstrengung herauszunehmen. Hals- und Schultermuskeln helfen bei höherem Atembedarf mit; in Ruhe sollte die Atmung wieder leichter werden. 5

Eine gute Orientierung ist daher: Die Rippen bewegen sich, der Atem fließt, und Sie müssen nicht jeden Atemzug mit den Schultern hochziehen.

Bauchatmung als Entspannungsübung

Für eine bewusste Entspannungsübung setze ich einen anderen Schwerpunkt. Hier darf die Bauchdecke weich werden und sich mit dem Atem heben und senken. Wenn Ihnen das angenehm ist und beim Abschalten hilft, nutzen Sie es.

Ich würde diese Übung in einer bequemen Rückenlage machen: Beine aufstellen oder die Knie mit einem Kissen unterstützen, den Kopf bei Bedarf ebenfalls unterlegen. Die Unterlage trägt den Körper, sodass Sie sich weniger um das aufrechte Halten kümmern müssen. 12

Legen Sie eine Hand auf den Bauch und lassen Sie den Atem ruhig fließen. Der Bauch darf sich bewegen, ohne dass Sie ihn herausdrücken oder besonders große Atemzüge nehmen. Für mich steht hier das angenehme Loslassen im Vordergrund. Eine Entspannungsübung hat eine andere Aufgabe als das bewusste Stabilisieren bei einer Bewegung.

Bei Stress: ruhiger atmen, statt ständig tief Luft zu holen

Nach einem schwierigen Gespräch sitzen Sie wieder am Schreibtisch. Die Schultern sind noch angespannt, der Kopf arbeitet weiter, und Sie holen mehrfach kräftig Luft. Eigentlich möchten Sie zur Ruhe kommen. Doch das angestrengte Durchatmen hält die Unruhe manchmal eher aufrecht.

Hier würde ich beim Ausatmen ansetzen: Lassen Sie die Luft sanft ausströmen und die nächste Einatmung von selbst kommen. Atmen Sie durch die freie Nase, gleichmäßig und mit einer Luftmenge, die sich bequem anfühlt. Die Ausatmung darf etwas länger werden. Einen bestimmten Zählrhythmus müssen Sie dafür nicht erreichen.

Bewusstes Atmen gibt außerdem Ihrer Aufmerksamkeit eine klare Aufgabe. Statt dem nächsten Gedanken hinterherzulaufen, konzentrieren Sie sich für einen Moment darauf, wie die Luft ein- und ausströmt. Schon diese Unterbrechung kann beim Abschalten helfen. Auch in einer kontrollierten Studie zeigten kurze tägliche Atemübungen günstige Effekte auf Stimmung und Atemfrequenz. 13

Für mich ist das ein praktischer Ansatz für den Übergang zwischen zwei Terminen oder vom Arbeitstag in den Feierabend. Nehmen Sie sich kurz Zeit, bevor Sie direkt mit der nächsten Aufgabe weitermachen.

Wie Sie neben kurzen Atempausen auch Belastungen und Erholung im Alltag angehen können, lesen Sie in meinem Beitrag zum Stressabbau.

Drei Tipps, mit denen Sie Ihre Nasenatmung verbessern können

Am leichtesten wird daraus eine Gewohnheit, wenn Sie an etwas anknüpfen, das Sie ohnehin täglich tun. Dafür eignen sich drei einfache Situationen.

1. Erinnern Sie sich im Alltag an die Nasenatmung

Am Anfang kann das ständige Drandenken aufwendig und auch etwas lästig sein. Besonders wenn Sie konzentriert arbeiten, gerät die Atmung schnell wieder aus dem Blick. Genau dann helfen einfache Erinnerungen.

Verknüpfen Sie einen kurzen Atem-Check mit festen Momenten: wenn Sie sich an den Schreibtisch setzen, nach einem Telefonat oder beim Warten an der Kaffeemaschine. Fließt die Luft durch die Nase? Sind die Lippen locker geschlossen? Bleibt der Kiefer entspannt?

Bitten Sie auch Ihren Partner, Ihre Partnerin, Freunde oder vertraute Arbeitskollegen um Unterstützung. Ein vereinbartes, freundliches Zeichen reicht, wenn der Mund in einer ruhigen Situation wieder offen steht. Prüfen Sie kurz den Luftweg, schließen Sie bei freier Nase die Lippen locker und machen Sie weiter. Es geht um eine Erinnerung, nicht darum, einander ständig zu kontrollieren.

Auch nach einem Gespräch können Sie bewusst wieder zur Nasenatmung zurückfinden. Natürliches Sprechen, Gähnen oder ein gelegentlicher Seufzer muss dafür nicht unterdrückt werden. Entscheidend ist, welche Atmung sich zwischen diesen Momenten zur Gewohnheit entwickelt.

2. Machen Sie aus einer kurzen Pause eine Atempause

Setzen Sie sich für einen kurzen Moment bequem hin und lassen Sie den Atem zunächst ruhig durch die Nase fließen. Nach einer normalen, lockeren Ausatmung können Sie eine kleine Pause von etwa zwei bis drei Sekunden ausprobieren. Atmen Sie anschließend in Ihrem normalen Rhythmus weiter.

Die Pause bleibt mühelos: kein Pressen, kein vollständiges Leeren der Lunge und kein Warten auf einen starken Atemreiz. Müssen Sie danach tief Luft holen, verkürzen Sie die Pause oder lassen sie weg.

Eine zweite Möglichkeit ist, die Luft etwas länger und sanft ausströmen zu lassen. Probieren Sie zunächst eine der beiden Varianten. Wenige ruhige Atemzüge reichen für den Einstieg. Bei Luftnot, Schwindel oder zunehmender Unruhe beenden Sie die Übung und atmen normal weiter. 14

Bei Herz- oder Lungenerkrankungen stimmen Sie gezieltes Atemtraining mit Ihrer behandelnden Fachperson ab. Diese kurzen Pausen üben Sie in Ruhe, nicht beim Autofahren oder im Wasser.

3. Üben Sie Nasenatmung beim Gehen und steigern Sie langsam

Beginnen Sie mit einem entspannten Spaziergang. Wählen Sie ein Tempo, bei dem Sie frei durch die Nase atmen können. Achten Sie darauf, dass Schultern und Kiefer locker bleiben.

Wenn das gut gelingt, gehen Sie etwas länger oder zügiger. Im Training nehmen Sie die Nasenatmung zunächst ins Aufwärmen und in lockere Abschnitte mit. So wächst die Gewohnheit mit der Belastung, statt erst in der anstrengendsten Phase funktionieren zu müssen. Brauchen Sie deutlich mehr Luft, reduzieren Sie das Tempo oder nehmen Sie die Mundatmung hinzu.

Für mich ist der Spaziergang deshalb ein guter Einstieg: Sie bewegen sich, kommen aus dem Sitzen heraus und lernen Ihren Atemrhythmus unter leichter Belastung kennen. Wie Sie daraus eine feste Gewohnheit machen, lesen Sie im Beitrag Gehen und Gesundheit.

Nasenatmung nachts: Freie Atemwege sind die Grundlage

Ein trockener Mund am Morgen ist ein guter Anlass, auf die nächtliche Atmung zu schauen. Fließt die Luft länger durch den Mund, können Mund und Rachen austrocknen. Die Nase hilft dagegen, beim Ausatmen Feuchtigkeit zurückzuhalten.

In einer kleinen Untersuchung an gesunden Erwachsenen war der Wasserverlust über die Atemluft beim Ausatmen durch den Mund rund 40 Prozent höher als beim Ausatmen durch die Nase. Die Zahl bezieht sich auf die ausgeatmete Feuchtigkeit bei ruhiger Atmung, nicht auf den gesamten Flüssigkeitsverlust über Nacht. 2

Kommen häufiges Aufwachen, nächtliche Toilettengänge oder fehlende Erholung am Morgen hinzu, lohnt sich eine genauere Abklärung. Solche Beschwerden können mit einer gestörten Atmung im Schlaf zusammenhängen, etwa einer Schlafapnoe. Besonders wichtig ist das bei starkem Schnarchen oder beobachteten Atemaussetzern. 15

Im Schlaf können Sie sich nicht bewusst an den Lippenschluss erinnern. Freie Atemwege und die Ursache möglicher Beschwerden sind deshalb wichtiger als der Versuch, den Mund einfach geschlossen zu halten. Kleben Sie ihn bei ungeklärtem Schnarchen, Atemaussetzern oder behinderter Nasenatmung nicht zu.

Lippen- und Zungenfunktion gezielt trainieren

Ist die Nase frei, kann ein Training der Lippen- und Zungenfunktion ein Ansatzpunkt sein. Dabei geht es um einen entspannten Lippenschluss, die Zungenlage und das Zusammenspiel beim Atmen und Schlucken. Ziel ist, dass diese Abläufe zunehmend selbstverständlich werden.

Ein Beispiel für ein dafür entwickeltes Trainingsgerät ist der Faceformer. Nach dem Konzept des Herstellers werden damit Lippenschluss, Zungenposition, Nasenatmung und Schluckablauf gemeinsam geübt. Er ist damit eine mögliche Unterstützung innerhalb eines gezielten Trainings. 16

Welche Übungen passen und ob das Gerät auch nachts eingesetzt werden sollte, klären Sie am besten mit einer dafür qualifizierten logopädischen, zahnärztlichen oder ärztlichen Fachperson. Eine festgestellte Schlafapnoe braucht zusätzlich die dafür vorgesehene Behandlung.

Auch die Schlafposition kann unterstützen

In Rückenlage können Unterkiefer und Zunge im Schlaf nach hinten sinken und den Atemweg verengen. Wenn Sie vor allem auf dem Rücken schnarchen, kann eine bequeme Seitenlage hilfreich sein, um den Atemweg offener zu halten. 17

Probieren Sie eine angenehme Seitenlage mit passender Kopfunterstützung und beobachten Sie, ob Schnarchen und Mundtrockenheit nachlassen. Auch die Rückmeldung Ihres Partners oder Ihrer Partnerin kann dabei hilfreich sein. Zusammen mit freien Atemwegen und einem guten Schlafrhythmus ist das ein praktischer Ansatz für die Nacht.

Der BOLT-Wert: Veränderungen im Atemtraining festhalten

Der BOLT-Test greift die Frage auf, wann Sie den ersten deutlichen Impuls zum Einatmen wahrnehmen. Dafür wird die Zeit nach einer normalen Ausatmung betrachtet. Im Mittelpunkt steht die Wahrnehmung dieses frühen Atemreizes, nicht möglichst langes Durchhalten.

Ich nutze den Test gern als eine Möglichkeit, Veränderungen im Atemtraining messbar festzuhalten. Dafür vergleichen wir die Zeit bis zum ersten deutlichen Atemreiz unter möglichst ähnlichen Bedingungen. So lässt sich beobachten, wie sich dieser Wert im Verlauf entwickelt.

Den Messwert betrachte ich zusammen mit Ihrer Erfahrung: Fällt Ihnen die Nasenatmung im Alltag leichter? Bleibt der Atem bei Bewegung ruhiger? Der Test misst die Zeit bis zu einem wahrgenommenen Atemreiz, nicht direkt den Sauerstoff- oder CO₂-Gehalt. Übung, Tagesform und die Einschätzung des Atemreizes beeinflussen das Ergebnis. 18

Wie Sie den Test korrekt durchführen, typische Fehler vermeiden und Ihren persönlichen Verlauf sinnvoll einordnen, erfahren Sie in meinem Beitrag BOLT-Wert testen: Was der Atemtest über Ihre Atmung zeigt.

Wie ich Atmung im Personal Training einbeziehe

Im Personal Training betrachte ich Atmung zusammen mit Bewegung, Kraft und Erholung. Mich interessiert, wie sie zur jeweiligen Aufgabe passt: Bleibt der Brustkorb beweglich? Arbeitet der Rumpf mit? Finden Sie einen Rhythmus, der zur Belastung passt?

Daran lassen sich konkrete Dinge verändern. Wir passen das Tempo an, wählen eine geeignete Ausgangsposition oder üben, bei einer Bewegung ruhig weiterzuatmen. Auch die Tagesform spielt eine Rolle: Nach einem anstrengenden Arbeitstag kann ein anderer Einstieg sinnvoll sein als an einem ausgeruhten Morgen.

Mir ist wichtig, dass Sie verstehen, worauf Sie bei sich achten können, und wenige Übungen mitnehmen, die zu Ihrem Alltag passen. Wenn Sie dabei persönliche Unterstützung möchten, können wir die Atmung gezielt in Ihr Training einbeziehen.

Fazit: Machen Sie ruhige Nasenatmung zur Gewohnheit

Nasenatmung bringt relevante Vorteile mit: Sie bereitet die Atemluft auf, hält beim Ausatmen Feuchtigkeit zurück und bietet einen guten Ausgangspunkt für einen ruhigen Atemrhythmus. Für mich lohnt es sich deshalb, ihr im Alltag mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Beginnen Sie mit dem Drandenken, nutzen Sie kleine Erinnerungen und üben Sie in kurzen, angenehmen Pausen. Danach nehmen Sie die Nasenatmung mit zum Spazierengehen und steigern die Belastung Stück für Stück.

Machen Sie sich dabei keinen zusätzlichen Stress. Es muss nicht von heute auf morgen jeder Atemzug bewusst durch die Nase gehen. Entscheidend ist, dass daraus nach und nach eine Gewohnheit wird, die Sie im Alltag unterstützt.

Weitere Beiträge zu Erholung und einer ruhigeren Nacht finden Sie in meiner Kategorie Schlaf.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Nasenatmung und Atemmuster: UCLH
  2. Studie zum Wasserverlust beim Atmen
  3. Untersuchung zu nasalem NO und Lungenfunktion
  4. Physiologie des Bohr-Effekts
  5. Wie der Körper die Atmung steuert: NHLBI
  6. Einordnung zu niedrigem CO₂: NCBI
  7. Definition der Hyperventilation: US National Library of Medicine
  8. Lunge und Bewegung: European Lung Foundation
  9. Atemmechanik: Cambridge University Hospitals
  10. MRT-Untersuchung zu Zwerchfell, Bauchwand und Beckenboden
  11. Untersuchung zur Haltungsfunktion des Zwerchfells
  12. Ausgangspositionen für entspannte Atemübungen: NHS
  13. Studie zu Atemübungen und Stimmung
  14. Praktische Atemschulung: Cambridge University Hospitals
  15. Hinweise auf Schlafapnoe: NHLBI
  16. Faceformer: Trainingskonzept des Herstellers
  17. Schlafposition und Atemwege: NHLBI
  18. Untersuchung zur Aussagekraft des BOLT-Tests

Weiterführende Lektüre: James Nestor, Breath.

Jonas Zimmerschied

Über den Autor

Jonas Zimmerschied

Personal Trainer seit 2015, Studium der Fitnessökonomie, Mitglied im BPT – Bundesverband Personal Training. Persönliche 1:1-Betreuung in Heppenheim und im privaten Studio in Bensheim.

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