Reizhusten, häufige Mundatmung und das Gefühl, nicht richtig tief durchatmen zu können, wurden zu ständigen Begleitern. Als Personal Trainer begann ich, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Dabei stieß ich auch auf den BOLT-Wert.
Der Test hat mir geholfen, meine Atmung bewusster zu beobachten und Veränderungen messbar zu machen. Zusammen mit einer konsequenteren Nasenatmung konnte ich meinen Reizhusten loswerden und auch das Schnarchen reduzieren.
Für mich ist der BOLT-Wert deshalb ein einfaches Werkzeug: Er zeigt nicht in einer einzigen Zahl, wie gesund oder fit Sie sind. Er gibt Ihnen aber einen vergleichbaren Ausgangswert und kann sichtbar machen, wie sich Ihre Atmung im Verlauf verändert.
Was ist der BOLT-Wert?
BOLT steht für „Body Oxygen Level Test“. Der Name ist etwas missverständlich, denn bei diesem Test wird der Sauerstoffgehalt im Blut nicht direkt gemessen.
Sie atmen normal aus, halten anschließend die Luft an und messen die Zeit bis zum ersten klaren Atemreiz. Gemeint ist nicht der Punkt, an dem Sie die Luft wirklich nicht mehr halten können. Der Test endet deutlich früher: sobald Sie das erste eindeutige Bedürfnis zum Einatmen wahrnehmen oder die Atemmuskulatur erstmals unwillkürlich reagiert.
Der BOLT-Wert wird in der Atemarbeit unter anderem genutzt, um die Empfindlichkeit gegenüber dem entstehenden Atemreiz einzuschätzen. Dabei spielt CO₂ eine wichtige Rolle. Steigt der Kohlendioxidgehalt während der Atempause an, reagiert das Atemzentrum und fordert den nächsten Atemzug an.
Der Test wurde vor allem durch Patrick McKeown und die Methode „The Oxygen Advantage“ bekannt. Wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben ihn als subjektiven, nicht maximalen Atemanhalte-Test.
Was der BOLT-Test misst – und was nicht
Der Messwert beschreibt die Zeit zwischen einer normalen Ausatmung und dem ersten deutlich wahrgenommenen Atemreiz. Er wird unter anderem davon beeinflusst,
- wie ruhig Sie vor dem Test geatmet haben,
- wie empfindlich Sie den ersten Atemreiz wahrnehmen,
- ob Sie müde, angespannt oder erholt sind,
- ob Sie zuvor trainiert, gegessen oder Kaffee getrunken haben,
- ob Ihre Nase frei ist,
- wie konsequent Sie den Test tatsächlich beim ersten Atemreiz beenden.
Genau deshalb nutze ich den Test gerne, um Verbesserungen der Atmung messbar zu machen. Entscheidend ist dabei nicht der Vergleich mit anderen Menschen, sondern Ihre eigene Entwicklung unter möglichst ähnlichen Bedingungen.
Ein höherer Wert kann darauf hinweisen, dass der erste Atemreiz später einsetzt und Sie ruhiger mit der Atempause umgehen. Der Wert ist aber kein direkter Sauerstofftest, keine medizinische Diagnose und auch kein Ersatz für eine Leistungsdiagnostik.
So führen Sie den BOLT-Test richtig durch
Für einen brauchbaren Vergleich sollten Sie den Test immer unter ähnlichen Bedingungen durchführen. Am einfachsten ist die Messung morgens nach dem Aufstehen, bevor Sie Kaffee trinken, frühstücken oder trainieren.
Setzen Sie sich ruhig hin und lassen Sie Ihre Atmung zunächst einige Minuten normal fließen. Versuchen Sie nicht, besonders langsam oder besonders tief zu atmen, nur um das Ergebnis zu verbessern.
Dann gehen Sie Schritt für Schritt vor:
- Atmen Sie einige Male ruhig durch die Nase ein und aus.
- Atmen Sie ganz normal und entspannt aus. Leeren Sie die Lunge nicht vollständig.
- Halten Sie sich nach der Ausatmung die Nase zu und starten Sie die Stoppuhr.
- Warten Sie bis zum ersten deutlichen Bedürfnis einzuatmen. Auch eine erste unwillkürliche Bewegung des Zwerchfells oder der Atemmuskulatur ist ein Endpunkt.
- Lösen Sie die Nase, stoppen Sie die Zeit und atmen Sie ruhig durch die Nase weiter.
Wenn Sie anschließend tief Luft holen, nach Luft schnappen oder mehrere große Atemzüge brauchen, haben Sie zu lange gewartet. Beim korrekten Test sollte die Atmung danach weitgehend ruhig bleiben.
Es geht nicht darum, einen möglichst hohen Wert zu erzwingen. Der BOLT-Test ist kein Wettbewerb im Luftanhalten.
Die häufigsten Fehler beim BOLT-Test
Schon kleine Veränderungen im Ablauf können das Ergebnis deutlich beeinflussen. Achten Sie deshalb besonders auf diese Punkte:
Sie atmen vorher besonders tief ein oder aus
Ein großer Atemzug verändert die Ausgangslage. Atmen Sie vor dem Test so, wie Sie auch sonst in Ruhe atmen. Die letzte Ausatmung bleibt locker und normal.
Sie warten bis zum starken Lufthunger
Der BOLT-Test endet beim ersten klaren Atemreiz und nicht erst an Ihrer persönlichen Grenze. Wenn Sie kämpfen müssen, messen Sie eher Ihre maximale Willenskraft beim Luftanhalten als den BOLT-Wert.
Sie vergleichen Messungen aus völlig unterschiedlichen Situationen
Ein Test direkt nach dem Sport ist nicht mit einer Messung am ruhigen Morgen vergleichbar. Auch Stress, ein Infekt, schlechter Schlaf oder eine verstopfte Nase können das Ergebnis verändern.
Sie machen mehrere Versuche direkt hintereinander
Wiederholte Atempausen verändern die Atmung und damit die nächste Messung. Für die Verlaufsbeobachtung reicht normalerweise eine saubere Messung. Wenn der Ablauf offensichtlich nicht gestimmt hat, warten Sie einige Minuten, bis Ihre Atmung wieder vollständig ruhig ist.
Welcher BOLT-Wert ist gut?
In der Methode „The Oxygen Advantage“ werden häufig 40 Sekunden als langfristiger Orientierungswert genannt. Viele Menschen starten deutlich darunter. Für die praktische Einordnung werden oft folgende Bereiche verwendet:
| BOLT-Wert | Praktische Einordnung |
|---|---|
| unter 10 Sekunden | Der erste Atemreiz tritt sehr früh auf. Beginnen Sie besonders ruhig und ohne lange Atempausen. |
| 10 bis 20 Sekunden | Der Atemreiz setzt noch relativ früh ein. Hier besteht häufig deutliches Entwicklungspotenzial. |
| 20 bis 30 Sekunden | Die Atempause fällt meist kontrollierter. Alltag und leichte Bewegung lassen sich gut einbeziehen. |
| 30 bis 40 Sekunden | Der erste Atemreiz tritt vergleichsweise spät auf. Der Atem ist häufig bereits ruhiger und besser kontrollierbar. |
| etwa 40 Sekunden oder mehr | In der Methode gilt dieser Bereich als guter Orientierungswert für eine ruhige funktionelle Atmung. |
Diese Bereiche stammen aus der praktischen Atemmethode und sind keine medizinischen Normwerte. Für mich ist deshalb wichtiger, ob sich Ihr persönlicher Wert unter vergleichbaren Bedingungen verändert und ob Sie das auch im Alltag merken.
Fragen Sie sich zusätzlich:
- Fällt mir die Nasenatmung im Alltag leichter?
- Atme ich beim Gehen und bei leichter Belastung ruhiger?
- Muss ich seltener seufzen oder tief nach Luft holen?
- Erhole ich mich nach einer Belastung schneller?
- Bleibt mein Atem in stressigen Situationen kontrollierter?
Der Messwert wird erst dann wirklich nützlich, wenn er zu Ihrer Wahrnehmung und Ihrem Alltag passt.
Warum der BOLT-Wert an stressigen Tagen niedriger sein kann
Stress kann die Atmung verändern. Sie wird häufig schneller, unruhiger oder größer, ohne dass es bewusst auffällt. Dadurch kann der erste Atemreiz bei einer Atempause früher einsetzen.
Ich sehe den BOLT-Wert deshalb auch als Momentaufnahme. Ein niedrigerer Wert an einem sehr anstrengenden Morgen bedeutet nicht, dass Ihr gesamtes Training erfolglos war. Er kann Ihnen zeigen, dass Ihre Atmung an diesem Tag stärker auf Anspannung, schlechten Schlaf oder körperliche Belastung reagiert.
Notieren Sie bei der Messung deshalb kurz, wie Sie geschlafen haben und ob Sie gerade besonders gestresst oder körperlich erschöpft sind. So entsteht mit der Zeit ein aussagekräftigeres Bild als durch eine einzelne Zahl.
Wie Atmung, Anspannung und innere Ruhe zusammenhängen, erfahren Sie ausführlicher in meinem Beitrag Stress abbauen: Was im anspruchsvollen Alltag wirklich hilft.
Wie oft sollten Sie den BOLT-Wert messen?
Für den Einstieg reicht eine Messung am Morgen. Wenn Sie Veränderungen verfolgen möchten, messen Sie beispielsweise an drei bis fünf festen Tagen pro Woche und halten Sie das Ergebnis kurz fest.
Eine einfache Tabelle genügt:
| Datum | BOLT-Wert | Schlaf und Tagesform | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Montag | 18 Sekunden | gut geschlafen, ruhig | vor dem Frühstück |
| Mittwoch | 14 Sekunden | wenig Schlaf, angespannt | später Termin am Vorabend |
| Freitag | 20 Sekunden | erholt | ruhige Woche |
Betrachten Sie eher den Verlauf über mehrere Wochen als jeden einzelnen Ausschlag. So merken Sie, ob sich eine Tendenz entwickelt, ohne aus jeder Messung eine Bewertung zu machen.
Drei Schritte, mit denen Sie Ihre Atmung verbessern können
Der BOLT-Test allein verändert Ihre Atmung nicht automatisch. Er macht lediglich sichtbar, was sich im Training und im Alltag entwickelt. Für die Verbesserung sind die Gewohnheiten zwischen den Messungen entscheidend.
1. Achten Sie im Alltag auf die Nasenatmung
Atmen Sie in Ruhe und bei leichter Bewegung möglichst durch die Nase ein und aus. Achten Sie besonders bei konzentrierter Arbeit, beim Fernsehen und nach Gesprächen darauf, ob die Lippen wieder leicht geöffnet sind.
Es geht nicht darum, jeden Atemzug zu kontrollieren. Erinnern Sie sich regelmäßig daran, bis die Nasenatmung wieder selbstverständlicher wird.
2. Beobachten Sie Seufzen, Gähnen und tiefes Luftholen
Häufiges Seufzen oder immer wieder sehr tiefes Einatmen kann die Atemmenge unnötig erhöhen. Unterdrücken Sie natürliche Reaktionen nicht mit Gewalt. Nehmen Sie sie zunächst wahr und kehren Sie danach zu einer ruhigen Nasenatmung zurück.
Wenn Sie viel sprechen, achten Sie auf die Atemzüge zwischen den Sätzen. Ein ständig hörbares, großes Luftholen kann ein Zeichen dafür sein, dass der Atemrhythmus noch unruhig ist.
3. Nehmen Sie die Nasenatmung mit in die Bewegung
Beginnen Sie bei einem entspannten Spaziergang. Wählen Sie ein Tempo, bei dem Sie ruhig durch die Nase atmen können. Wenn das gut funktioniert, gehen Sie etwas zügiger oder nehmen die Nasenatmung in das Aufwärmen und leichte Trainingsabschnitte mit.
Kurze, angenehme Atempausen nach einer normalen Ausatmung können ebenfalls Teil des Trainings sein. Sie sollten jedoch nicht in starken Lufthunger führen. Der nächste Atemzug bleibt ruhig.
Mehr über Nasenatmung, CO₂, Brust- und Bauchatmung sowie die Umsetzung im Alltag lesen Sie in meinem Hauptbeitrag Atmung verbessern: Warum sich Nasenatmung lohnt.
BOLT-Test und Sport: Wofür der Wert sinnvoll ist
Beim Sport nutze ich den BOLT-Wert nicht, um aus einer Zahl die maximale Leistungsfähigkeit abzulesen. Dafür gibt es geeignetere Tests.
Er kann trotzdem hilfreich sein, wenn wir an der Atmung arbeiten. Wir können beispielsweise beobachten, ob die Nasenatmung beim Gehen oder Aufwärmen leichter fällt, ob der Atem unter moderater Belastung ruhiger bleibt und ob sich der Wert parallel dazu verändert.
Im Personal Training betrachte ich deshalb immer beides: den Messwert und die tatsächliche Bewegung. Ein höherer BOLT-Wert ist schön. Wichtiger ist, ob Sie im Alltag und beim Training einen Unterschied spüren.
Wann Sie auf den Test verzichten sollten
Der BOLT-Test ist eine kurze, nicht maximale Atempause. Trotzdem sollten Sie ihn nicht beim Autofahren, im Wasser, unter der Dusche oder in einer anderen Situation durchführen, in der Schwindel gefährlich werden könnte.
Brechen Sie ab, wenn Ihnen schwindelig oder unwohl wird. Bei bekannten Herz- oder Lungenerkrankungen, unkontrolliertem Bluthochdruck, in der Schwangerschaft oder nach akuten Erkrankungen sollten Sie gezieltes Atemtraining vorher mit Ihrer behandelnden Fachperson abstimmen.
Häufige Fragen zum BOLT-Wert
Misst der BOLT-Test den Sauerstoffgehalt im Blut?
Nein. Trotz des Namens misst der Test nicht direkt die Sauerstoffsättigung. Er erfasst die Zeit nach einer normalen Ausatmung bis zum ersten klaren Atemreiz.
Ist der BOLT-Wert dasselbe wie maximales Luftanhalten?
Nein. Beim maximalen Luftanhalten versuchen Sie, möglichst lange durchzuhalten. Der BOLT-Test endet deutlich früher, beim ersten eindeutigen Bedürfnis einzuatmen. Danach sollten Sie ruhig weiteratmen können.
Kann man den BOLT-Wert verbessern?
Der Wert kann sich verändern, wenn Ihre Ruheatmung ruhiger wird, Sie die Nasenatmung häufiger nutzen und gelassener mit dem ersten Atemreiz umgehen. Entscheidend ist die regelmäßige Umsetzung im Alltag und nicht das erzwungene Verlängern des Tests.
Wie schnell sollte sich der Wert verbessern?
Dafür gibt es keine feste Frist. Schlaf, Stress, Infekte, Tagesform und der genaue Testablauf beeinflussen das Ergebnis. Betrachten Sie deshalb die Entwicklung über mehrere Wochen und nicht nur einzelne Messungen.
Ist ein hoher BOLT-Wert automatisch ein Zeichen für gute Fitness?
Nein. Atmung und Leistungsfähigkeit hängen zusammen, aber der BOLT-Wert ersetzt keine sportmedizinische Leistungsdiagnostik.
Fazit: Nutzen Sie den BOLT-Wert für Ihren eigenen Verlauf
Der BOLT-Test ist einfach, kostet nichts und dauert weniger als eine Minute. Richtig durchgeführt, kann er Ihnen dabei helfen, Veränderungen Ihrer Atmung über mehrere Wochen sichtbar zu machen.
Für mich liegt darin sein größter Nutzen. Es geht nicht darum, sich mit anderen zu vergleichen oder jeden Morgen einen Rekord aufzustellen. Messen Sie unter ähnlichen Bedingungen und beobachten Sie gleichzeitig, wie ruhig Sie im Alltag, beim Gehen und unter leichter Belastung atmen.
Beginnen Sie mit einer ersten Messung am Morgen. Notieren Sie den Wert und achten Sie anschließend im Alltag häufiger auf eine leise, gleichmäßige Nasenatmung. So wird aus einer einzelnen Zahl ein praktisches Werkzeug, mit dem Sie Ihre Entwicklung nachvollziehen können.
Weitere Beiträge zu Atmung, Stress und Erholung finden Sie in meiner Kategorie Schlaf.
Quellen und weiterführende Informationen
- National Heart, Lung, and Blood Institute: Wie der Körper die Atmung steuert
- Patrick McKeown: The Oxygen Advantage. Piatkus, 2015. Praxisquelle zur Durchführung und Einordnung des BOLT-Tests.






