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Persönlich & Reisen30 Min. Lesezeit

Kilimandscharo über die Machame-Route: Mein Erfahrungsbericht

In diesem Beitrag nehme ich Sie mit auf meine Reise zum Kilimandscharo über die Machame-Route. Ich beschreibe meine Vorbereitung mit Höhentraining, alle sieben Tage am Berg und die Gipfelnacht bis zum Uhuru Peak auf 5.895 Metern. Am Ende finden Sie außerdem meine Packliste und die Ausrüstung, die ich tatsächlich gebraucht habe.

Jonas Zimmerschied und Melanie am Gipfelschild des Uhuru Peak auf dem Kilimandscharo bei Sonnenaufgang

Ich bin kein Expeditionsprofi. Dieser Beitrag ist mein persönlicher Erfahrungsbericht – mit sehr schönen Momenten, Kopfschmerzen und dünner Luft, eisigen Nächten, einem Heiratsantrag auf dem Gipfel und vielen Eindrücken, die bis heute geblieben sind.

Wenn Sie selbst über eine Kilimandscharo-Besteigung nachdenken, finden Sie hier hoffentlich hilfreiche Anregungen. Und wenn nicht, können Sie beim Lesen trotzdem ein Stück mit uns über die Machame-Route gehen.

Meine Kilimandscharo-Reise in Kürze

  • Route: Machame-Route
  • Zeit am Berg: sieben Tage
  • Höchster Punkt: Uhuru Peak auf 5.895 Metern
  • Reisegruppe: neun Personen zwischen 30 und 51 Jahren
  • Begleitteam: insgesamt 39 Guides, Träger und ein Koch
  • Vorbereitung: Grundlagenausdauer, aktives und passives Höhentraining, IHHT und einzelne Nächte im Höhenzelt
  • Größte Herausforderung: Schlaf und Kopfschmerzen in der Höhe
  • Mein wichtigster Grundsatz am Berg: „Pole pole“ – langsam, Schritt für Schritt
  • Mein persönlichster Moment: der Heiratsantrag an Melanie auf dem Gipfel

Warum ich auf den Kilimandscharo wollte

Ich suche Momente, die bleiben – Situationen, in denen ich bewusst die Komfortzone verlasse, weil ich glaube: Wachstum entsteht dort. Als mich mein Personal-Trainer-Kollege Adriano vor rund zwei Jahren fragte: „Hey Jonas, hast du Bock, mit auf den Kilimandscharo zu gehen?“, antwortete ich ohne langes Überlegen mit Ja. Ich wollte die Herausforderung annehmen und etwas erleben, das ich nie vergesse – eine Reise, die mich fordert und berührt. Meine Freundin Melanie entschied sich ebenfalls dafür und begleitete mich.

Insgesamt waren wir eine Gruppe von neun Personen zwischen 30 und 51 Jahren – zwei Frauen und sieben Männer. Wir buchten über einen Reiseanbieter, der alles organisierte. Später erfuhren wir, dass uns bei unserer neunköpfigen Gruppe insgesamt 39 Menschen auf den Berg begleiteten – darunter Guides, Träger und ein Koch.

Rückblickend begann die Reise schon eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Start. Zunächst schien viel Zeit zu bleiben – und wenn es viel Zeit gibt, schiebt man Dinge leicht vor sich her. Irgendwann wurde es konkret: Ausrüstung besorgen, mich einlesen, mit Menschen sprechen, die schon auf dem Gipfel waren. Mit jedem Schritt wuchsen Vorfreude und Respekt. Der Kilimandscharo war für uns etwas völlig anderes, ein großes Stück Ungewissheit – genau darin lag der Reiz.

Ich habe oft gehört, dass der Kilimandscharo etwas mit einem macht. Das wollte ich selbst erleben: Spüren, was passiert, wenn es im Kopf still wird, der Atem den Takt vorgibt und man Schritt für Schritt etwas schafft, das größer wirkt als man selbst. Diese Erfahrung habe ich gesucht – und jetzt möchte ich sie mit Ihnen teilen.

Meine Vorbereitung auf die Höhe

Höhentraining in Heppenheim an der Bergstraße klingt zunächst schwierig, ist mit heutiger Technik aber umsetzbar. Meine Freundin und ich wollten unsere Körper nicht erst am Berg mit der dünnen Luft überraschen. Für die Vorbereitung – und für die Arbeit mit meinen Klienten – habe ich einen Höhengenerator gekauft und ein Kopfzelt geliehen. Die Aufgabe war klar: Zeit finden, dranzubleiben, ohne mich zu überfordern. Am Ende funktionierte es, weil ich realistische Bausteine gewählt, Einheiten klug in den Tag geschoben und wir uns gegenseitig motiviert haben.

Aktives Höhentraining

Etwa vier bis fünf Wochen vor Abflug habe ich zweimal pro Woche auf dem Fahrradergometer in simulierter Höhe trainiert. Ich startete bei 2.800 Metern und steigerte mich Schritt für Schritt bis auf 6.000 Meter. Die Intensität lag überwiegend in Pulszone 2 – ruhig arbeiten, kontrolliert steuern, ohne mich zu überfordern. Ziel war ein solider Reiz, den Herz, Lunge und Kopf gut verarbeiten konnten.

Passives Höhentraining

Zusätzlich gab es ein bis zwei Einheiten pro Woche mit Maske und Höhenluft – oft am Schreibtisch oder abends auf der Couch. Dafür habe ich mir einen Höhengenerator gekauft. Ich stieg bei 4.000 Metern ein und steigerte die simulierte Höhe bis auf 6.500 Meter. Das war einer meiner Zeittricks: keine Anfahrt, kein Umziehen – arbeiten und atmen. So bekam mein Körper den Sauerstoffreiz ohne zusätzlichen Stress.

IHHT-Training

Einmal pro Woche kam IHHT dazu: fünf Minuten Höhenluft, dann fünf Minuten normale Luft – im Wechsel. Ich startete bei 4.500 Metern und steigerte die simulierte Höhe später bis auf 6.500 Meter. In den Normoxie-Phasen mobilisierte ich mich locker und dehnte kurz. Dieses einfache Intervall aus Fordern und Entlasten hielt mich wach und fokussiert.

Schlaf im Höhenzelt

Wir haben zwei bis drei Nächte pro Woche im Höhenzelt geschlafen – zunächst auf simulierten 2.200 Metern, später bis 3.700 Meter. Versorgt wurde das Zelt ebenfalls über den Höhengenerator. Sommerhitze und meine niedrige Atemfrequenz im Schlaf machten es nicht leicht. Manche Nächte waren unruhig und machten den nächsten Tag zäh. Deshalb haben wir hier bewusst Abstriche gemacht. Es muss nicht perfekt sein – es muss funktionieren. Gleichzeitig war es wertvoll: Ich merkte früh, dass Schlafen in der Höhe mein Thema bleibt und mich auf der Tour tatsächlich herausfordern könnte.

Mein Fazit zur Höhenvorbereitung

Unterm Strich lief es gut. Trotz mancher schlechter Nächte im Zelt hatte ich tagsüber überraschend viel Energie – das Höhentraining machte sich auch im Alltag positiv bemerkbar. Der Zeitfaktor war real, keine Frage. Als ich das passive Höhentraining in Bürozeiten integrierte, wurde es deutlich einfacher, dranzubleiben, ohne dass der Kalender platzte. Perfekt war es nicht – sollte es auch nicht sein. Entscheidend war: Lösungen finden, die ins echte Leben passen. So brachte das Ganze Mehrwert, ohne zusätzlich zu belasten.

Braucht man für den Kilimandscharo ein Höhentraining?

Vermutlich nicht zwingend. In unserer Gruppe erreichten auch mehrere Personen ohne spezielles Höhentraining den Gipfel. Ausdauer und Kraft sind wichtig, verhindern eine Höhenkrankheit aber nicht. Entscheidend bleiben ein langsamer Aufstieg, genügend Zeit zur Akklimatisation und ein vernünftiger Umgang mit möglichen Symptomen.

Ich habe das Höhentraining trotzdem bewusst genutzt, weil mich das Thema beruflich und privat interessiert. Für mich hatte die Vorbereitung vor allem diese Vorteile:

  • Das Atemgefühl war nicht völlig neu. Ich kannte die Reaktion meines Körpers auf sauerstoffärmere Luft bereits aus dem Training.
  • Ich konnte mein Tempo besser einschätzen. Die Einheiten halfen mir dabei, ruhig zu arbeiten und nicht jeder Belastung mit mehr Geschwindigkeit zu begegnen.
  • Die Vorbereitung gab mir Sicherheit. Gerade mental war es hilfreich, die Situation nicht zum ersten Mal am Berg zu erleben.
  • Je nach Methode und Dauer sind körperliche Anpassungen möglich. Wie stark sie ausfallen, ist individuell und hängt von Trainingsform, Häufigkeit und Dauer ab.

Kurz gesagt: Höhentraining war für mich eine sinnvolle Ergänzung, aber keine Garantie für einen problemlosen Aufstieg. Die Kopfschmerzen und Schlafprobleme am Berg haben mir deutlich gezeigt, dass sich die tatsächliche Höhe nicht vollständig simulieren lässt.

Wie sich Kraft- und Ausdauertraining auch mit einem engen Zeitbudget in den Alltag integrieren lassen, lesen Sie in meinem Beitrag Training trotz wenig Zeit.

Anreise nach Moshi & Schulbesuch

Der Flug war angenehm unspektakulär: Nachtflug, pünktliche Landung in Tansania, Abholung am Flughafen. Die Fahrt zum Hotel in Moshi war bereits ein kleines Abenteuer: Der Fahrer hatte es wohl eilig, und weil die Autobahn stellenweise erneuert wurde, führte die Umleitung über eine ausgewaschene Sandstraße. Unterwegs wurde unser Fahrer kurz von der Polizei herausgewunken; nach ein paar Minuten ging es zum Glück weiter. Wir waren alle gut gelaunt und aufgeregt – die ersten Eindrücke, neue Gerüche, der Blick auf Straßen und Landschaft: das Gefühl, jetzt wirklich da zu sein.

Im Hotel lief alles zügig: Check-in, Zimmer belegen, anschließend das Briefing. Wir sollten uns für den ersten Tag mindestens drei Liter Wasser organisieren, erhielten die Abfahrtszeit für den nächsten Morgen und konnten uns bei Bedarf noch Equipment leihen.

Ein besonderer Programmpunkt am Ankunftstag war der Besuch der Grundschule in Moshi. Über den Reiseveranstalter besteht dort eine dauerhafte Unterstützung, und Adriano hatte Spenden organisiert – Kleidung und Spielzeug, die wir vorbeibringen durften. Die Kinder sangen und tanzten für uns; ihre Freude war spürbar. Es war ein schöner Moment.

Für mich hat diese Begegnung die ganze Reise stark bereichert. In diesem Moment ging es nicht nur um Höhenmeter und den Gipfel, sondern auch um Begegnungen. Eine kleine Erinnerung daran, wie dankbar wir für das sein können, was wir haben – und wie zufrieden Menschen mit deutlich weniger sein können.

Danach ging’s zurück in den Expeditionsmodus: Flaschen auffüllen, Packsäcke sortieren, letzter Check fürs Gate am Morgen. Der Start stand fest – und mit ihm das gute Kribbeln vor dem ersten Schritt.

Tag 1: Vom Machame Gate zum Machame Camp

Um 9 Uhr wurden wir am Hotel abgeholt. Nach einem letzten Frühstück und der letzten warmen Dusche fuhren wir in gut einer Stunde zum Machame Gate (ca. 1.800 m). Dort registrierten wir uns und warteten. Die Formalitäten dauerten etwa zwei Stunden. Wir bekamen ein Lunchpaket: Nüsse, Toast, Apfel, Hähnchenfleisch und Kuchen. Beim Fleisch waren wir am ersten Tag noch skeptisch; später auf der Tour legte sich das.

Dann ging es los: Ein angenehmer Regenwaldpfad, stellenweise mit Passagen, die etwas mehr Aufmerksamkeit verlangten, insgesamt jedoch gut zu gehen. Ich startete in Barfußschuhen – für diesen Abschnitt absolut passend. Immer wieder zogen die Porter an uns vorbei, Gepäck auf Rücken und Kopf balancierend, in einem Tempo und mit einer Körperspannung, die uns beeindruckten.

Wie an den folgenden Tagen ging es konstant bergauf, etwa 1.100–1.200 Höhenmeter. Wir hatten Zeit für Gespräche, zum Lachen und für dieses besondere Kribbeln, wenn man spürt, dass ein Abenteuer begonnen hat. Immer wieder legten wir kurze Pausen ein. Der Dschungel war anfangs sehr dicht und wurde mit der Zeit lichter.

Am Nachmittag tauchten die ersten Zelte des Machame Camps (ca. 2.835 m) auf. Wir bezogen unser Zelt, bliesen die Isomatten auf, legten die Schlafsäcke bereit und sortierten unsere Sachen. Unerwartet angenehm: Es gab warmes Wasser zum Waschen und ein großes Essenszelt mit Tisch und Campingstühlen – mehr Komfort, als wir vermutet hatten.

Zum Abendessen gab es Kartoffeln, Nudeln, Fisch und Gemüse. Die Portionen waren großzügig – wir wurden mehr als satt. Und obwohl Fisch nach einem langen Fußmarsch bei 20–25 °C nicht unbedingt Vertrauen weckte, gab es keinerlei Magenprobleme. Danach gingen wir wieder an die frische Luft: ein Sternenhimmel mit Milchstraße, klar und wunderschön. Ein paar Meter oberhalb des Camps blieben wir stehen und sahen den schneebedeckten Gipfel im Dunkeln leuchten – ein stiller, sehr schöner Moment. Dann Zähneputzen und ab in den Schlafsack: Der erste Tag war geschafft, die Vorfreude auf das, was kommt, groß.

Tag 2: Vom Machame Camp zum Shira Camp

Wir wurden um 6:30 Uhr geweckt. Geschlafen hatten die wenigsten von uns besonders gut – teilweise wegen der Höhe und teilweise, weil das Schlafen im Zelt mit Isomatte und Schlafsack ungewohnt war. Trotzdem waren wir guter Dinge. Zum Frühstück gab es Eier, Pancakes, Porridge und Toast mit Erdnussbutter und Marmelade; dazu kochendes Wasser für Tee und Instantkaffee. Während wir aßen, bauten die Träger bereits die Zelte ab, füllten unsere Camelbaks mit Trinkwasser und ließen das Camp in Windeseile verschwinden.

Der Weg Richtung Shira wurde schnell schmaler und steiler. Die Bäume wurden niedriger; mehr Nadelgehölze und Büsche tauchten auf, und stellenweise waren die Stufen so hoch, dass wir große Schritte machen mussten. Es war deutlich anstrengender als am ersten Tag. Weil viele Träger unterwegs waren, mussten wir immer wieder anhalten und zur Seite treten. Dieses Stop-and-go unterbrach den Laufrhythmus und machte es spürbar schwerer, als gleichmäßig im eigenen Tritt weiterzugehen. Oberhalb der Baumgrenze folgte die Belohnung: der weite Blick über die Wolken und der Mount Meru wie eine Insel im Weiß.

Blick über das Wolkenmeer auf den Mount Meru am zweiten Tag der Machame-Route

Auf etwa 3.300–3.400 Höhenmetern machten wir eine längere Pause – mitten in der Landschaft stand plötzlich ein Tisch mit roter Tischdecke und Stühlen. Es gab Popcorn und Tee, und wir waren ehrlich überrascht, was uns hier geboten wurde. Nach der Mittagspause nutzte ich zum ersten Mal die Wanderstöcke. Zunächst war es ungewohnt, dann hilfreich – besonders in den steileren Passagen.

Kurz darauf spürten Melanie und ich die Höhe zum ersten Mal deutlich. Wir waren nach der Pause noch am Umpacken, kamen etwas zu spät los und liefen zu schnell an, um die anderen einzuholen. Das brachte Melanie Übelkeit und mir sofort Kopfschmerzen ein – auszuhalten, aber demotivierend: „So viel vorbereitet, und jetzt schon auf rund 3.500 Metern die ersten Symptome?“ Der restliche Weg zog sich. Im Shira Camp auf rund 3.840 Metern konnten wir Pause machen und auspacken. Doch jede Bewegung ging auf den Kreislauf, der Kopf drückte – die Höhe war deutlich zu spüren.

Am späten Nachmittag starteten wir einen Akklimatisierungsgang: um 16:30 Uhr los, hinauf auf rund 4.000 m, danach wieder zurück. In der Nähe des Camps sahen wir Höhlen, in denen die Träger früher übernachtet haben sollen – heute ist das verboten; alle schlafen in Zelten. Mental war es eine kleine Hürde, schon den Weg anzulaufen, den wir am nächsten Tag ohnehin gehen würden. Auf dem Rückweg war die Szenerie großartig: Der Gipfel des Kilimandscharo leuchtete in der Abendsonne, während wir schon im Schatten waren, und über dem Camp lag ein eindrucksvoller Sonnenuntergang, der den Meru und das Wolkenmeer in warmes Licht tauchte.

Der Gipfel des Kilimandscharo im Abendlicht beim Akklimatisierungsgang oberhalb des Shira Camps

Gegen 18:45 Uhr waren wir zurück im Camp und konnten den Sonnenuntergang genießen.

Zum Abendessen gab es Rindfleisch mit Gemüse und Spaghetti. Nach dem Essen maß unser Guide erstmals unsere Sauerstoffsättigung: Alle lagen zwischen 85 und 95 Prozent. Sauerstoffsättigung und Puls wurden von da an jeden Abend kontrolliert. Als ich mich später hinlegte, kehrten die Kopfschmerzen kräftig zurück. Ich nahm Ibuprofen – im Alltag mache ich das so gut wie nie. An diesem Abend half es mir dabei, zur Ruhe zu kommen und etwas zu schlafen.

Tag 3: Vom Shira Camp über den Lava Tower zum Barranco Camp

Um 6 Uhr wurden wir geweckt. In der Nacht hatte es laut Guide −4 bis −5 °C – das war spürbar, aber gut auszuhalten. Ich hatte nicht perfekt geschlafen, fühlte mich aber erstaunlich gut. Beim Packen – nach längerem Hocken und anschließendem zu schnellem Aufstehen – meldete sich der Kreislauf, sowohl bei Melanie als auch bei mir. Insgesamt war es aber deutlich besser als am Vortag. Medikamente gegen Höhenkrankheit wollten Melanie und ich vorerst nicht nehmen, obwohl wir am Tag zuvor mit Übelkeit bei Melanie und Kopfschmerzen bei mir zu kämpfen hatten. Stattdessen nahmen wir uns vor, mehr zu trinken und konsequent auf die Atmung zu achten: rhythmisch, etwas tiefer und einen Tick schneller als gewöhnlich. Nach dem Frühstück wurden die Trinkblasen gefüllt, und um 7:30 Uhr brachen wir auf.

Der Weg hinauf zum Lava Tower wurde karger und felsiger – eine Steinwüste, die mit jedem Höhenmeter größer wirkte. Ab heute war ich in Wanderschuhen unterwegs und nutzte die Stöcke dauerhaft. „Pole pole“, wie die Einheimischen sagen – was so viel wie langsam bedeutet –, ergab sich fast von selbst: Laufen und Atmen waren das Einzige, woran ich die meiste Zeit dachte. Es war erstaunlich meditativ. Es gab immer wieder Momente, in denen ich „aufschreckte“ und merkte, dass ich an nichts gedacht hatte – das kommt bei mir im Alltag kaum vor. Der Weg war in diesem Abschnitt deutlich breiter; wir mussten weniger auf die Porter achten und konnten uns so stärker auf das Gehen konzentrieren.

Weg durch die Steinwüste zum Lava Tower auf der Machame-Route

Das Mittagessen gab es unterhalb des Lava Tower auf etwa 4.450 m: ein Gemüseeintopf, der gut schmeckte. Danach ging alles relativ schnell – der Guide wollte weiter: zusammenpacken, noch einmal zur Toilette; die meisten waren schon wieder voraus, ich hing kurz hinterher. Dieser kleine Zeitdruck und die schnelleren Bewegungen reichten, damit sich erneut Kopfschmerzen meldeten – nicht dramatisch, aber spürbar. Wir gingen kurz hinauf zum Lava Tower für ein paar Fotos, dann begann der Abstieg ins Barranco-Tal. Aus der steinigen Weite wurde eine Schlucht mit Bachlauf, feucht, grün und von Wolken durchzogen – wie eine andere Welt. Unten im Barranco Camp (knapp 4.000 m) waren die Kopfschmerzen wieder weg. Es war anfangs sehr kalt, die Wolken standen im Tal, der Wind zog durch das Lager, und das warme Wasser zum Waschen kühlte im Nu ab – trotzdem tat es gut, den Staub des Tages loszuwerden.

Riesensenezien im nebligen Barranco-Tal am Kilimandscharo

Wir setzten uns später auf einen Felsen und schauten ins Tal, das wie ein Wolkenmeer unter uns lag. Wir nutzten die Stille, um unsere Eindrücke als Erinnerung in einem Buch festzuhalten. Hinter dem Camp ragte die Steilflanke des Kilimandscharos auf, vor uns die Barranco-Wall. Aus der Ferne wirkte sie sehr steil, fast wie ein Klettersteig. Mir war klar: Das sind „nur“ rund 250 Höhenmeter – aber der Eindruck ist ein anderer, wenn man müde davor steht. Es war ein beeindruckender Ort: die Stimmung im Camp, das Licht am Abend, die Stille zwischen zwei Windböen.

Eindrücke des Tages im Reisetagebuch festhalten, mit Blick über das Barranco-Tal

Später, als die Sonne weg war, zeigte sich wieder ein brillanter Sternenhimmel, und oben am Berg leuchtete der Schnee im Dunkeln. Ich war dankbar für diesen Tag. Die Zuversicht war zurück, die Motivation groß – vor allem, weil ich gemerkt hatte, dass Trinken, Atmung und Tempo einen Unterschied machten. Am nächsten Tag wartete die Barranco-Wall, die auch „Todeswand“ genannt wird, auf uns.

Tag 4: Von der Barranco-Wall nach Karanga

Die Nacht im Barranco Camp war in Ordnung, auch wenn wir oft wach waren. Am Morgen war es bitterkalt, die Finger steif, der Atem sichtbar – und trotzdem war die Stimmung gut. Beim Blick aus dem Zelt sahen wir die ersten Lichter der Stirnlampen an der Wand aufblinken – beeindruckend, und wir waren alle etwas aufgeregt.

Aus der Nähe wirkte die Wand weniger furchteinflößend als aus der Ferne. Es ging im Zickzack nach oben, mit kleinen Kletterpassagen: Hände an den Fels, drei Kontaktpunkte, dann der nächste Schritt. Hier war Konzentration gefragt, Angst kam nicht auf. Selbst zwei aus unserer Gruppe, die mit Höhe nicht so warm werden, kamen ohne Probleme nach oben. Wir machten immer wieder kurze Pausen und nahmen uns Zeit zum Atmen, Trinken und Ausruhen. Nach rund 250 Höhenmetern standen wir oben – Wolken unter uns, der Gipfel über uns. Dieser Blick war beeindruckend. Auf den Fotos wirkte es später, als würden wir im Wolkenmeer schweben.

Danach zog sich der Weg durch die alpine Steinwüste. Es war trocken, staubig, der Gipfel ständig im Blick – jedes Mal aufs Neue ein schöner Anblick. Als das Karanga Camp am Horizont auftauchte, freuten wir uns zu früh: Dazwischen lag die Karanga-Schlucht. Erst ging es sehr steil hinunter, dann genauso steil wieder hinauf – die Sonne stand hoch, die Luft war staubig, und wir spürten jeden Schritt. Oben im Camp waren wir erschöpft, aber froh, es bis hierher geschafft zu haben. Das Lager selbst ist kein Postkartenmotiv: Steinwüste, klare Kanten, wenig Farbe. Die Lage, wie ein Balkon zwischen Gipfel und Tal, hat jedoch ihren eigenen Reiz.

Der schneebedeckte Kibo-Gipfel auf dem Weg von der Barranco-Wall nach Karanga

Der Rest des Tages war ein Wechselbad der Temperaturen: In der Sonne wurde es im Zelt in wenigen Minuten heiß; sobald Wolken aufzogen, war es sofort frisch. Wir aßen, ruhten uns kurz aus und gingen am Nachmittag noch einmal zur Akklimatisierung los – hinauf bis etwa 4.300 Meter und wieder zurück. Der Weg war leicht, kaum jemand war unterwegs, und wir konnten diese seltene Stille genießen: kein Motor, kein Summen, nur Wind, der kam und ging. Das tat uns gut. Wir fühlten uns bereit, motiviert und zuversichtlich für den Gipfelaufstieg.

Abends war die Sauerstoffsättigung wieder gut, trotzdem meldeten sich im Zelt kurz vor dem Schlafen wieder Kopfschmerzen. Meine niedrige Atemfrequenz in Ruhe wurde mir zum Verhängnis – zu Hause kein Thema, hier oben in der dünnen Luft jedoch herausfordernd. Kleiner Lebensretter in dieser Nacht: die Urinflasche. Klingt erstmal abschreckend, war bei −7 °C aber ein echter Gewinn, weil man nicht aus dem Zelt hinausmusste. Danach lag ich schnell wieder warm im Schlafsack, hörte den Wind und hatte das gute Gefühl: Morgen kann kommen.

Tag 5: Von Karanga zum Barafu Camp (Gipfellager)

An diesem Morgen war ich zunächst noch müde, das legte sich aber nach den ersten Minuten. Weil wir am Vortag bereits die halbe Strecke zur Akklimatisation gegangen waren, wussten wir, was kommt – und konnten es entspannt angehen. Wir starteten um 8 Uhr im Karanga Camp auf rund 4.050 Metern. Unser Ziel war Barafu, das Gipfellager auf 4.673 Metern.

Der Pfad war über weite Strecken angenehm und schlängelte sich durch die karge Hochzone. Steinwüste, Sand und Staub prägten das Bild, und doch hatte diese Landschaft etwas Eigenes. Zwischendurch gab es einen steileren Abschnitt, an dem wir etwas kraxeln mussten, und anschließend einen kurzen Geröllanstieg.

Jonas Zimmerschied über den Wolken auf dem Weg zum Barafu Camp

Gegen 12 Uhr kamen wir im Barafu Camp an. Die Zelte standen auf einem Schotterbalkon aus Felsen und Geröll. Von hier – und vom gesamten Camp – bot sich ein sehr schöner Blick auf den Mawenzi, den zweithöchsten Gipfel im Kilimandscharo-Massiv.

Wir richteten uns ein: Isomatten aufpumpen, Schlafsäcke vorbereiten, Rucksäcke sortieren. Alles lief routiniert, und gleichzeitig lag dieses „Heute wird’s ernst“ in der Luft.

Eigentlich war danach Ruhe geplant. Ich legte mich hin, döste 10 bis 20 Minuten und wachte mit heftigen Kopfschmerzen auf. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Ibuprofen brachte diesmal keine Besserung. Sobald ich zur Ruhe kam, fiel meine Atmung in ihren niedrigen Nachtrhythmus – und der Kopf meldete sich. Dazu kam die Aufregung.

Am frühen Abend besprachen wir die Höhenmedikation erneut mit einem Arzt aus unserer Gruppe. Drei von uns, die bis dahin nichts genommen hatten – ich auch –, entschieden sich nach dieser Rücksprache für eine halbe Tablette Diamox. Wir waren dem Ziel so nah und wollten die Tablette als Unterstützung für die Nacht und den Aufstieg nutzen. Es gab ein frühes Abendessen gegen 17 Uhr, anschließend wurde ein letztes Mal die Sauerstoffsättigung gemessen. Danach lagen wir wieder im Zelt, schichteten Kleidung, prüften Stirnlampen, Handschuhe und Snacks. Ich zog fast alles an, was ich für die Nacht vorgesehen hatte: Merino-Unterwäsche und -Longsleeve, Merino-Jogginghose unter der gefütterten Wanderhose, darüber Merino-Pullover und Fleece, die leichte Daunenjacke griffbereit. Stöcke und Wanderschuhe standen am Eingang bereit. Wir versuchten noch einmal zu schlafen – vergeblich.

Um 23 Uhr wurden wir „geweckt“ – die meisten waren ohnehin wach. Draußen biss die Kälte, der Wind strich über die Zelte, der Himmel war klar. Start um 0 Uhr, zu Beginn etwa −10 °C. Ein letzter Blick in den Rucksack, ein kurzer Check mit der Gruppe – dann ging es los.

Tag 6: Gipfeltag – Vom Barafu Camp über den Stella Point und den Uhuru Peak zum Mweka Camp

Kurz nach Mitternacht setzte sich die Kette aus Stirnlampen in Bewegung. Es wurde sofort sehr steil; die ersten 100 bis 200 Höhenmeter waren eine endlose Rampe mit kleinen Kraxelstellen. Im Kopf sagte ich mir nur: „Atmen und gehen“ – Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug. Jemand aus der Gruppe meinte: „Wir laufen wie die Zombies aus The Walking Dead.“ Besser hätte man es bei einer Geschwindigkeit von weniger als einem Kilometer pro Stunde kaum beschreiben können. Wir unterhielten uns wenig. Dafür waren der Weg und die Höhe zu kräftezehrend.

Von Beginn an stand fest: Wir wollten als Gruppe oben ankommen. Unser Guide erklärte, dass er große Gruppen normalerweise teilt – einige sind schneller, andere langsamer. Wir entschieden uns dagegen: gemeinsam hoch, gemeinsam ankommen, gemeinsam das Unvergessliche erleben. Das bedeutete mehr kurze Stopps und etwas mehr Abstimmung, aber das war kein Thema.

Die Nacht war kalt und wurde mit der Höhe immer kälter; in der Spitze bis −17 °C, sagte der Guide. Schon nach rund 30 Minuten waren bei mehreren die Trinkschläuche eingefroren. Ich hatte eine Isolierung um den Schlauch und achtete trotzdem darauf, regelmäßig zu trinken, um das Einfrieren zu verhindern. Dennoch merkten Melanie und ich, wie unsere Schläuche nach und nach zufroren: Immer wieder kam nur Slush-Eis – leider ohne Geschmack – aus dem Trinkschlauch. Etwa eine Stunde vor dem Stella Point war bei mir Schluss: Der Schlauch war komplett eingefroren. Von da an half nur noch die Thermoskanne. Das war umständlicher, aber Hauptsache, ich bekam genug Flüssigkeit. Essen stand in dieser Nacht nicht auf dem Plan; wir gönnten uns zwei kurze Teepausen von etwa zehn Minuten – Toilettenpause, ein paar Schlucke trinken, einmal durchatmen – und weiter.

In diesem Tunnel aus Dunkelheit kamen mir die Gedanken: Schaffen wir das? Was ist, wenn …? Mit jedem Schritt entfernte ich mich von dem, was sich sicher anfühlt – höher, kälter, dunkler. Ich ließ das kurz zu und schob es dann beiseite: zurück in den Atem, zurück in den Tritt. Meistens gelang das.

Wir liefen weiter – immer zur nächsten schwarzen Kante, die sich am Himmel abzeichnete, in der Hoffnung, dass es dann geschafft sei. Immer wieder wurden wir enttäuscht: Hinter der Kuppe ging es genauso steil weiter. Dann, nach gut fünf Stunden, kamen die erlösenden Worte: „Noch 50 Meter bis zum Stella Point.“ Völlig erschöpft erreichten wir den Stella Point auf 5.756 Metern in völliger Finsternis. Kein Morgenlicht, nur kalter Wind – aber wir standen endlich am Kraterrand. Es wurde still, dann emotional; bei vielen von uns flossen Tränen. Bis zum Uhuru Peak lagen noch etwa 30 bis 60 Minuten vor uns. Wir zogen die Schichten enger und setzten uns wieder in Bewegung – erst jetzt kam die Morgenröte. Der Himmel hellte auf, die Sterne verblassten, und wir durchquerten ein Feld aus knie- bis hüfthohen Eisspitzen. Sie sahen aus wie „Haifischzähne“, durch die ein schmaler Trampelpfad führte.

Schmaler Pfad durch die Eisspitzen am Kraterrand zwischen Stella Point und Uhuru Peak

Dann stand es vor uns: das Schild am Uhuru Peak (5.895 m). Ich bin nicht der emotionalste Mensch – aber hier riss es mich mit. Freude, Dankbarkeit, alles auf einmal; ein überwältigender Moment. Durch die Tränen geriet der Atemrhythmus kurz durcheinander, mir wurde leicht schwindelig, der Kreislauf kippte fast. Also konzentrierte ich mich wieder auf die Atmung und fing mich. Die letzten Meter waren plötzlich leicht; der Moment, die Aussicht und die Freude trugen uns. Oben fielen wir uns in die Arme, machten Gruppenfotos und sahen über den Wolken, neben Gletschern, einen Sonnenaufgang in klarem Licht. In diesem Moment machte ich Melanie einen Heiratsantrag – und sie sagte: „Ja“. (Zum Glück – wer weiß, ob wir sonst beide vom Berg gekommen wären 😀) Wir genossen den emotionalen Moment auf dem "Dach von Afrika" mit einer atemberaubenden Aussicht.

Hand mit Verlobungsring vor dem Sonnenaufgang am Uhuru Peak

Nach etwa 25 Minuten am Gipfel ging es zurück. Die ersten Meter bis zum Stella Point ließen sich gut gehen; dort machten wir im Tageslicht ein Foto – und stiegen weiter hinab nach Barafu. Der Schotter war sehr rutschig, der Weg verlangte Konzentration, und in der Sonne wurde es schlagartig heiß. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden waren wir wieder im Basislager. Dort hätten wir zwei Stunden schlafen können, aber an Schlaf war für mich nicht zu denken – die Kopfschmerzen waren zu stark. Also packten Melanie und ich unsere Sachen, warteten auf die anderen, frühstückten etwas, und dann ging es weiter bergab.

Der letzte Abschnitt zog sich. Bis zum Mweka Camp waren es noch rund sieben Kilometer; wir brauchten insgesamt etwa viereinhalb Stunden. Die erste Hälfte lief noch relativ angenehm, die zweite dann über einen ausgewaschenen Pfad mit hohen Stufen, der den Beinen – insbesondere den Knien – alles abverlangte. Jeder Schritt tat weh; wir waren erschöpft und müde – und zugleich froh, endlich unten zu sein. Im Camp: Zelt einräumen, Waschen, Essen. Wir saßen noch kurz zusammen und fielen dann in den Schlaf. Wir haben selten so gut in einem Zelt geschlafen.

Tag 7: Vom Mweka Camp zum Mweka Gate – Zurück in die Zivilisation

Nach einer erholsamen Nacht wachten wir auf. Auf rund 3.000 m fühlte sich die Luft wieder spürbar dichter an – der Körper „atmet auf“. Nach dem Frühstück ging es los: ca. 10 km stetig bergab, am Ende rund vier Stunden auf den Beinen. Der Weg war in Ordnung, stellenweise wurzelig und rutschig, aber gut machbar. Trotzdem zog es sich – nicht wegen des Pfads, sondern wegen der Müdigkeit nach dem Gipfeltag: erst rauf, dann runter, dann noch einmal runter. Jeder Schritt erinnerte daran, was wir hinter uns hatten.

Der Weg führte zurück in den Dschungel. Landschaftlich war es hier wieder sehr schön, ganz anders als in den letzten drei Tagen. Es war wieder alles grün, deutlich wärmer, und wir hörten die Vögel zwitschern. Unterwegs konnten wir noch Affen beobachten, die in den Baumkronen umhersprangen.

Am Mweka Gate war die Erleichterung groß. Es gab etwas zu essen und frisch gepressten Saft, und wir konnten uns zum ersten Mal seit Tagen mit fließendem Wasser die Hände waschen. Viel brachte das nicht – der Staub hatte sich längst unter der Haut festgesetzt –, aber der gröbste Dreck war weg, und das tat gut. Dann in den Bus, zurück ins Hotel: Dusche, endlich. Die ersten Minuten unter warmem, fließendem Wasser waren pures Glück. Wir machten die Sachen grob sauber, zogen ein frisches Outfit an, setzten uns zusammen, tranken ein paar Bier und ließen die Reise Revue passieren. Füße hoch, kurz schweigen, dann wieder lachen – dieses Nachglühen nach einem großen Projekt. Am Abend gingen wir relativ früh ins Bett.

Der Abreisetag

Wir schliefen alle erst einmal aus und frühstückten gemeinsam. Wir hatten viel Zeit, da unser Flug erst um 17 Uhr ging.

Vormittags fuhren Melanie und ich mit zwei weiteren Personen aus der Gruppe in die Stadt, um Souvenirs zu besorgen. Gegen 14 Uhr ging es zum Flughafen, noch einmal über die „Huppelpiste“. Ich nickte trotzdem immer wieder ein; die Reise steckte noch in den Knochen. Der Kopf war voller Bilder: Dschungel, Lava Tower, Barranco Wall, das Leuchten am Gipfel, die Gesichter der Kinder in der Schule und die vielen kleinen Momente dazwischen. Dazu kam dieses leise, zufriedene Gefühl, etwas erlebt zu haben, das bleibt. Zum Abschluss konnten wir den Kilimandscharo noch einmal aus dem Flugzeug sehen, bevor wir nach Hause flogen.

Fazit: Eine Reise, die bleibt

Die Entscheidung für den Kilimandscharo habe ich relativ intuitiv und schnell aus dem Bauch heraus getroffen. Rückblickend hat sich jede Sekunde auf dem Berg gelohnt – auch wenn nicht alles schön war und nicht immer alles rund lief. Für mich war es eine Riesenerfahrung und eine große Bereicherung. Nicht nur wegen des erfolgreichen Antrags, sondern vor allem wegen der Menschen, mit denen ich dort oben war, der Momente, die ich erleben durfte, und der atemberaubenden Bilder, die ich sehen konnte. Ebenso wertvoll waren die stillen Augenblicke mit mir selbst. Ich glaube, sie haben mir persönlich sehr viel gegeben und viel in mir bewegt.

Wenn Sie ebenfalls mit dem Gedanken spielen, eine solche Reise anzutreten, kann ich die Erfahrung nur empfehlen. Ob und wie Ihre Vorbereitung aussehen sollte und ob ein Höhentraining sinnvoll ist, hängt von Ihrer Ausgangslage ab. Ich weiß schließlich nicht, wie es mir ohne die Vorbereitung ergangen wäre, und mehrere Personen aus unserer Gruppe schafften es auch ohne spezielles Höhentraining. Für mich persönlich war die investierte Zeit trotzdem sinnvoll – körperlich, mental und als Vorbereitung auf das Gefühl in dünner Luft.

Meine drei wichtigsten Erkenntnisse für den Alltag

  1. Pole pole. Nicht immer höher, schneller, weiter – manchmal hilft es, einen Gang zurückzuschalten und bewusst langsamer zu machen.
  2. Perspektivwechsel. Oben auf dem Kilimandscharo – oder schon unterwegs über den Wolken – wirkte alles Alltägliche plötzlich weit weg und klein. Probleme und Herausforderungen fühlten sich winzig an. Natürlich holt uns der Alltag wieder ein, aber auch dort hilft es, einen Schritt zurückzutreten und das Ganze aus der Distanz zu betrachten.
  3. Uns geht es gut. Wir sind oft schnell dabei, uns zu beschweren. Dabei haben wir, was wir brauchen: ein Dach über dem Kopf, fließendes Wasser, Essen um die Ecke – und so vieles mehr. In vielen Ländern sind diese für uns selbstverständlichen Dinge nicht alltäglich. Das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen.

Häufige Fragen zum Kilimandscharo

Eine gute Kondition erleichtert die langen Etappen, schützt aber nicht vor Höhenkrankheit. Neue oder stärker werdende Beschwerden sollten deshalb ernst genommen werden. Bei deutlichen Symptomen darf der Aufstieg nicht einfach fortgesetzt werden; im Ernstfall ist der Abstieg die entscheidende Maßnahme.

Wie hoch sind die Gipfelchancen am Kilimandscharo?

Die Gipfelchance hängt unter anderem von der Route, der Dauer, der Akklimatisation, dem Wetter und der persönlichen Reaktion auf die Höhe ab. In einer Untersuchung mit 1.237 Teilnehmenden erreichten 87,9 Prozent den Uhuru Peak. Unser Guide schätzte die Erfolgsquote bei einer siebentägigen Tour auf etwa 90 Prozent. Eine hohe statistische Erfolgsquote sagt allerdings nicht voraus, wie der eigene Körper auf die Höhe reagiert.

Wie viele Tage sollte man für den Aufstieg einplanen?

Ich würde für den Aufstieg mindestens sieben Tage einplanen. Zusätzliche Tage geben dem Körper mehr Zeit, sich an die Höhe anzupassen, und können die Gipfelchance verbessern. Unsere siebentägige Machame-Tour war für mich ein guter Kompromiss aus Akklimatisation, Belastung und Reisedauer. Eine Garantie für den Gipfel gibt es unabhängig von der Dauer nicht.

Wie bereitet man sich auf den Kilimandscharo vor?

Arbeiten Sie vor allem an Ihrer Grundlagenausdauer: Radfahren, Treppensteigen und längere Wanderungen mit Rucksack eignen sich dafür gut. Ergänzen Sie das mit Krafttraining sowie Übungen für Fuß-, Knie- und Rumpfstabilität. Auch ein ruhiger Atemrhythmus kann dabei helfen, das Tempo zu kontrollieren. Mehr dazu erfahren Sie in meinem Beitrag über die Nasenatmung.

Kann Diamox bei der Akklimatisation helfen?

Acetazolamid kann die Akklimatisation beschleunigen und Beschwerden der akuten Höhenkrankheit vorbeugen. Es ersetzt aber weder einen langsamen Aufstieg noch zusätzliche Zeit zur Anpassung. Ob das Medikament im Einzelfall sinnvoll ist und wie es eingesetzt wird, sollte vor der Reise ärztlich besprochen werden. In unserer Gruppe nahmen es einige von Beginn an, andere erst vor dem Gipfelaufstieg. Ob es mir in der Gipfelnacht geholfen hat, kann ich nicht sicher beurteilen. Das Gefühl, für diesen Fall vorgesorgt zu haben, gab mir jedoch Sicherheit.

Wann ist die beste Reisezeit für den Kilimandscharo?

Tendenziell in den Trockenzeiten: Dezember–März sowie Juni–Oktober; die Sicht- und Wegebedingungen sind dann häufig stabiler. Kurzfristige Wetterwechsel sind dennoch möglich.

Wie sieht ein typischer Tag am Berg aus?

Wecken gegen 6:30 Uhr, Frühstück um 7:00 Uhr, Start meist um 8:00 Uhr; Gehzeiten liegen oft bei 4–6 Stunden plus Pausen. Abends gibt es ein kurzes Briefing und früh Schlafen, die Gipfelnacht startet typischerweise um Mitternacht.

Welche Route ist die richtige: Machame, Lemosho oder Marangu?

  • Machame-Route, meist sechs bis sieben Tage: abwechslungsreich mit Regenwald, Shira-Plateau und Barranco Wall. Übernachtet wird in Zelten. Diese Route hat uns sehr gut gefallen.
  • Lemosho-Route, meist sieben bis acht Tage: ruhigerer Start im Westen, landschaftlich abwechslungsreich und durch die längere Dauer mit mehr Zeit zur Akklimatisation. Auch hier wird in Zelten übernachtet.
  • Marangu-Route, meist fünf bis sechs Tage: die einzige Route mit Hütten. Sie ist logistisch bequemer, bietet bei einer kurzen Tour aber weniger Zeit zur Akklimatisation.

Gibt es Handyempfang oder WLAN am Kilimandscharo?

Ich habe mich bewusst gegen das Buchen von Datenvolumen entschieden, da ich auf der Reise keine Ablenkung wollte. Einige aus der Gruppe hatten sich über verschiedene Anbieter Datenvolumen bestellt – der Empfang war allerdings sehr schlecht.

Ausrüstung & Packliste für den Kilimandscharo

Die größte Herausforderung beim Packen waren die Temperaturunterschiede: von rund +30 °C beim Start bis zu extremer Kälte in der Gipfelnacht. Zudem durften in unserem Fall maximal 15 kg in die Reisetasche für die Träger. Dazu kamen etwa 7 bis 8 kg im Tagesrucksack inklusive Trinkwasser. Anfangs hatten wir keine klare Vorstellung davon, was uns erwartet. Deshalb planten wir nach dem Zwiebelprinzip und wählten Kleidungsstücke, die sich flexibel kombinieren ließen.

Taschen

Reisetasche; wasserdicht: Hatte ich – am Ende nicht gebraucht (kein Regen). Trotzdem beruhigend zu wissen, dass der Inhalt geschützt wäre.

Gregory Zulu Rucksack – leicht, super bequem, gute Hüft-/Brustgurte.

Bekleidung (Schichtsystem)

Baselayer (Merino): 2× lange Unterhosen, 2× lange Oberteile – hautfreundlich, trocknen schnell, riechen weniger.

Zwischenschicht: 2× Merino-Zippjacken + Fleece-Pulli – variabel je nach Wind/Sonne.

Hosen: 1× Wanderhose, 1× Zip-off-Wanderhose, Merino-Jogginghose (abends), normale Jogginghose (Reserve/Schlaf), gepolsterte Wanderhose (kalt/windig).

Meine Freundin: Skihose – warm & winddicht.

Isolationsschicht: Leichte Daunenjacke – nicht extrem dick, aber in Kombi mit Layers absolut ausreichend.

Regenjacke & Regenhose: mitgenommen, nicht gebraucht – trotzdem: lieber dabeihaben.

Kopf/Hals/Hände: Merino-Mütze, Buff/Schal, dicke Skihandschuhe + dünne Merino-Liner (zum Kombinieren).

Unterwäsche & Merino-Socken

Schuhe

  • Isolierte Meindl-Wanderschuhe: für Kälte, Geröll und Trittsicherheit. Ich hatte sie ab Tag drei im Einsatz. Viele von uns froren beim Gipfelmarsch an den Füßen – warme Schuhe sind deshalb aus meiner Sicht sehr wichtig.
  • Barfußschuhe: für das Camp und die ersten Etappen. Sie waren leicht und angenehm zu tragen.

Schlafen

  • Daunenschlafsack Trek TK III Regular: Da ich mich nachts relativ viel bewege, passte dieser Schlafsack für mich sehr gut.
  • Isomatte: Therm-a-Rest NeoAir XTherm NXT; für größere Menschen gibt es die Therm-a-Rest NeoAir XTherm NXT MAX. Die Matten halten sehr warm und lassen sich klein und leicht verstauen.
  • Aufblasbares Kissen

Trinken & Essen unterwegs

  • Drei-Liter-Trinkblase: Hydrapak Force Ultra-Durable
  • Thermoskanne: in kalten Nächten sehr wichtig, da Trinkschläuche einfrieren können.
  • Snacks: Riegel und Nüsse waren schnell verfügbar und gut verträglich.
  • Filterflasche: Unsere war leider defekt und kam deshalb nicht zum Einsatz. Das bereitgestellte Trinkwasser konnten wir trotzdem trinken.

Wichtige Extras

  • Trekkingstöcke: für Rhythmus, Knie und Balance. Ab Tag zwei oder drei hatte ich sie dauerhaft im Einsatz.
  • Stirnlampe: Petzl Actik Core plus Ersatzbatterien. Der Akku ist aufladbar, bei Bedarf lassen sich aber auch Batterien einsetzen – sehr praktisch für den Aufstieg.
  • Sonnenschutz: Sonnenbrille, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, Lippenpflege und Fettcreme.
  • Urinflasche für die Nacht: vorher belächelt, später ein echter Gewinn.
  • Tagebuch und Stift: für Gedanken und kleine Momente.

Hygiene & Reiseapotheke

  • Wasserdichte Packsäcke beziehungsweise Drybags für den Tagesrucksack und Ordnung in der Reisetasche
  • Taschentücher, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und Einmalwaschlappen – Letztere haben sich sehr bewährt
  • Zahnbürste und Zahnpasta: In den kalten Nächten kann Zahnpasta einfrieren. Mein Tipp sind die Zahnpastatabletten von Natch Labs*. Mit dem Code JONAS_JZ sparen Sie zehn Prozent auf Ihre erste Bestellung. Ich nutze die Tabletten auch im Alltag und bin damit sehr zufrieden.

Mückenspray (für die Tage in Moshi; ab einer gewissen Höhe kaum relevant).

Ibuprofen, Aktivkohle, Blasenpflaster, Pflaster/Verband, Nagelschere – zum Glück fast nichts gebraucht.

Elektronik & Papiere

Powerbank, Ladekabel, Kopfhörer, Oropax

Visum/Reisedokumente

Mini-Spiele (nice to have)

Würfel/Kartenspiel – hatten wir dabei, am Ende nicht verwendet (Abende waren kurz: essen, kurz austauschen, schlafen).

Was ich wirklich gebraucht habe

Layers, Daunenjacke, Merino-Baselayer – dauernd im Einsatz.

Wanderschuhe (ab Tag 3) & Trekkingstöcke.

Thermoskanne, Kopflampe (Akku + Batteriemodus), Drybags, Oropax, Waschlappen, Sonnenbrille/-schutz, Urin-Flasche.

Schlafsystem (Schlafsack + Isomatte) – sehr gut und warm.

Was kaum/nicht zum Einsatz kam

Regenjacke & -hose (kein Regen),

Mückenspray (nur zu Beginn),

Filterflasche (defekt),

Spiele (keine Zeit/Bedarf).

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Jonas Zimmerschied

Über den Autor

Jonas Zimmerschied

Personal Trainer seit 2015, Studium der Fitnessökonomie, Mitglied im BPT – Bundesverband Personal Training. Persönliche 1:1-Betreuung in Heppenheim und im privaten Studio in Bensheim.

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